Der Rebell


Gerade ist Glasseelen neu erschienen, bald wird es auch wieder den Folgeroman Der Rebell geben. HOMO Littera hat dem Buch (und der ganzen Reihe) ein neues Heim gegeben.

Worum geht es?
Am Ende von Glasseelen erhält Camilla eine Mail von Matthias Habicht, in der er schreibt, dass er grandiosen Mist gebaut hat … hier die Mail:

Hallo Camilla,

ich brauche deine Hilfe. Kennst du den Geschäftsmann Thomas Hoffmann? Wahrscheinlich nicht, oder? Ich würde dich bitten, dass du dich mit ihm oder zumindest mit seinem ältesten Sohn Oliver in Verbindung setzt. Es ist wahnsinnig wichtig. Du kannst damit vielleicht eine Katastrophe verhindern und Leben retten … vielleicht sogar meins.
Sag ihnen, dass am kommenden Wochenende etwas passieren wird, was unabsehbare Folgen hat. Bitte frag nicht, warum, ich werde es dir nicht erklären können, aber es geht um das Leben einer ganzen Familie.

Vielen Dank

Matthias

PS: Camilla, wenn du dachtest, Ancienne Colognes Auswirkungen auf uns alle wären groß gewesen, irrst du dich. Das, woran ich jetzt bin, betrifft auch dich, wenn auch nur am Rande. Bitte hilf mir, bevor ich einen unverzeihlichen Fehler begehe.

Und damit leute ich das zweite Buch ein.

Der Rebell – Klappentext
Olivers Welt bricht zusammen, als sein Vater wie von Sinnen über seine Mutter und seine Geschwister herfällt. Nur Christian und Michael überleben die Mordnacht unbeschadet. Oliver muss nach seinen schweren Verletzungen reanimiert werden. Danach ändert sich seine Realität. Er hat einen Blick hinter den „Spiegel“ geworfen. Obwohl er diese Welt gern ausschließen will, begleitet sie ihn.

Als auf Christian ein Anschlag verübt wird und Michael ihm beteuert, der Angreifer habe sich vor seinen Augen in Luft aufgelöst, und zeitgleich weitere Tote gefunden werden, will Oliver nicht mehr untätig abwarten. Zusammen mit seinem Freund, der jungen Kriminalkommissar Daniel Kuhn, taucht er in die Ermittlungen ein. Gemeinsam setzen sie die einzelnen Fragmente einer Vergangenheit zusammen, deren Auswirkungen die Katastrophen in der Gegenwart begründen.

Und hier bekommt ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den 2. Roman:

Ihr hysterisches Lachen endete in ersticktem Röcheln. Die folgende Stille versetzte Oliver in abgrundtiefes Entsetzen. Nur das Geräusch von Metall, das Knochen zersplitterte, drang zu ihm. Das Monster zerfleischte sie. Der Anblick brannte sich in seinen Verstand. Er stöhnte. Seine Knie zitterten, zugleich fühlte sich sein Körper an, als würde Lava durch seine Adern strömen. Mit hämmerndem Herzen kauerte er sich tiefer unter die Anrichte und presste seine Fäuste auf die Ohren. Er biss auf seine Unterlippe und schmeckte Blut. Ihm wurde schwindelig. Mühsam zwang er sich zur Ruhe. Er musste fliehen, die Polizei rufen, doch er konnte sich nicht regen. Alles in ihm wehrte sich gegen den Anblick, die Geräusche und den Geruch. Oliver wagte nicht einmal, ins Wohnzimmer zu spähen. Aber er musste, jetzt sofort, bevor auch er starb.
Vorsichtig sah er über die Küchenplatte. Noch immer rammte dieser Wahnsinnige sein Messer in ihren Leib. Deutlich hörte er, wie die Spitze sich in den Boden bohrte. Der Körper seiner Mutter lag vor der Terrassentür. Ihr Blut tränkte den hellen Teppich. Sein Vater kauerte wie ein Nachtmahr über der Masse aus zerschnittenem Gewebe und zerhackten Knochen. Er hob sich deutlich gegen die hellen Gardinen ab. Schwarzgrauer Dunst kräuselte sich um ihn. Stammte der Rauch von der brennenden Zigarette seiner Mutter?
Oliver reckte sich vorsichtig. Die Schwaden waren zu dunkel. Täuschte er sich? Mit zitternden Fingern klammerte er sich an die Küchenplatte. Er würgte. Sein Vater, oder wer immer dieses Wesen sein mochte, hatte den Verstand verloren. Er war kein Mensch mehr. Als er die Wa?e hochriss, spritzte Blut auf Glas und Gardinen.
Olivers Mageninhalt schoss hoch. Er stieß ein unartikuliertes Geräusch aus und presste die Kiefer aufeinander. Zu spät. Würgend erbrach er sich.
Schwäche breitete sich in ihm auf. Er musste weg, doch seine Muskeln protestierten. Unsicher kroch er aus seinem Versteck, rappelte sich auf und eilte in den Flur hinaus. Flucht war die einzige Chance, wollte er überleben. Obwohl er keine Schuhe trug, kamen ihm seine Schritte viel zu laut vor. Sein Vater würde ihn hören, und er wäre tot, bevor er die Haustür erreichte.
Ein Wutschrei, vermischt mit entsetzlicher Verzweiflung drang aus dem Wohnzimmer. Einen Herzschlag später vernahm er den schweren Gang seines Vaters – er war nicht mehr er selbst, hörte ihm nicht mehr zu. Dem durchtrainierten, cholerischen Mann hatte Oliver auch nichts entgegenzusetzen. Nur Schnelligkeit konnte ihn jetzt retten.
Die Kisten und Ko?er seiner Mutter standen noch im Flur. Seine Flucht wurde zu einem einzigen Ausweichmanöver. Verflucht! Genauso gut hätte der Ausgang einen Kilometer entfernt sein können.
„Olli …“ Die weinerliche Stimme seiner kleinen Schwester drang aus dem ersten Stock.
Elli? Sein Herz verkrampfte sich. Er konnte nicht fortlaufen, solang seine kleinen Geschwister noch im Haus waren. In seiner sinnlosen Raserei kannte sein Vater weder Freund, noch Feind. Er würde vor den Zwillingen und Marc nicht Halt machen, ganz zu schweigen von Elli, die er hasste.
Oliver blickte nach vorne. Ihn trennten noch fünf oder sechs Schritte von der Haustür.
„Olli!“
In Ellis hysterischem Quietschen lag panische Angst, das Entsetzen, das auch er verspürte. Er musste seine Brüder und Elli in Sicherheit bringen. Abrupt änderte er seine Richtung und rutschte weg. Mit rudernden Armen kämpfte er um sein Gleichgewicht und stürzte auf ein Knie. Schmerz zuckte durch sein Bein.
»Chris, Micha …«, keuchte er und sah sich um.
Über den Wohnzimmerteppich huschten bizarre Schatten, schwere Schritte näherten sich. Olivers Herz raste. Hass und Verzweiflung vereinten sich im Gebrüll seines Vaters. Die Stimme klang fremd. Begri? sein Vater, was er getan hatte?
Sicher nicht. Dieses Tier hatte keine Gefühle.
Oliver schauderte. Er versuchte, auf die Füße zu kommen, aber sein verletztes Knie gab unter der Belastung seines Körpers nach. Ein scharfer Stich trieb ihm Tränen in die Augen. Ärgerlich biss er die Zähne zusammen. Beim Boxen hatte er mehr weggesteckt.
Sein Atem stockte. Wie ein gestaltgewordener Albtraum stand Vater im Türrahmen des Wohnzimmers. Die weißen Manschetten an seinem Hemd waren rot. Von seinen Händen troff Blut auf den Boden. Als er die Hand hob, umwehten ihn Rauchschleier.
Plötzlich zuckte der Kopf seines Vaters hoch. Oliver fuhr zusammen und wich zurück. Trocken schluckte er, aber in seiner Kehle saß ein Kloß. Instinktiv drängte er sich in den Schatten zwischen Garderobe und Treppe. Aus phosphoreszierenden Augen starrte Vater in den Flur. Im nächsten Moment verengte er sie zu Schlitzen. Eisiger Schrecken breitete sich in Oliver aus. Hatte das Monster ihn entdeckt? Mit einer geschmeidigen Geste, strich Vater sich durch Bart und Haar. Tränen spülten helle Spuren in den schmierig roten Film auf seiner Wange und verliehen ihm einen maskenhaften Ausdruck. In der Rechten hielt Vater das lange Jagdmesser. Rauch kroch an seinem Arm herab und umwaberte die Klinge. Er schmetterte die Glastür gegen die Wand, tausend Splitter fegten über die Fliesen.
„Vater …“ Oliver wich zur Treppe zurück.
Einen grotesken Moment entspannte sich die maskenhafte Mimik seines Vaters, die entstellten Züge erschla?ten. Es hatte den Anschein, als würde er den Gri? um die Wa?e lockern. Regte sich doch ein Hauch Menschlichkeit in ihm?
„Olli!“, hallte es wieder von oben.
Elli, schweig!, schrie er in Gedanken.
Das Gesicht seines Vaters verzerrte sich erneut. In seinem Blick glomm Erkennen, als hätte er begri?en, was der eigentliche Grund seiner verzehrenden Wut war: Elli!
„Lauf, Elli!“, rief Oliver.
Splitter knirschten unter den Sohlen seines Vaters. Er spürte seine Nerven bis in die Fingerspitzen elektrisieren. Entsetzt fuhr er herum. Abermals explodierte betäubender Schmerz in seinem Knie. Er humpelte, so schnell er konnte, die Stufen hinauf. Die Holzkonstruktion bebte unter ihm.
„Micha, Chris, bringt Elli und Marc raus!“
Geländer und Treppe zitterten.
Vater!
Oliver nahm sich nicht die Zeit, zurückzusehen. »Raus hier!«
Er hörte Ellis hysterisches Weinen. Von den Zwillingen vernahm er keinen Laut. Tränen der Verzweiflung rannen über sein Gesicht. Sein Vater holte ihn unweigerlich ein, und seine Geschwister verließen sich blind auf ihn. Mit beiden Händen zog er sich am Geländer hoch. Die Luft brannte in seinem ausgetrockneten Hals, sengte durch seine Lungen. In einer Seite erwachte stechender Schmerz. Hinter sich hörte er keuchende Atemzüge. Gleich hatte Vater ihn eingeholt.
Oliver versuchte zu rennen, aber sein Bein protestierte. Er presste die Zähne aufeinander und versuchte, es zu ignorieren, da sein Vorsprung schmolz. Das Monster war direkt hinter ihm.
Etwas Kaltes fuhr ihm über Schulter und Rücken. Er hetzte über die letzte Stufe, glitt aus und fiel.
„Scheiße.“
Er rollte zur Seite. Sein Vater war über ihm. Der Dolch kratzte unkontrolliert über das Holz und zog eine tiefe Furche in den Lack. Ohne nachzudenken, riss Oliver seinen Ellbogen hoch, und das Messer polterte ein paar Stufen hinab. Ein brutaler Hieb traf ihn unter dem Auge, sein Kopf schlug hart auf den Boden. Im letzten Augenblick konnte er sich dem Gri? seines Vaters entwinden, rutschte dadurch aber über den Treppenabsatz, dessen Kante sich in seine Wirbel bohrte. Eine Faust traf ihn gegen die Brust und trieb ihm alle Luft aus den Lungen. Lichtblitze zuckten hinter seinen Lidern. Er erwartete die nächsten Schläge, die ihm sämtliche Knochen brechen würden. Doch sie blieben aus.
Die Treppe bebte erneut.
Oliver stemmte sich hoch. Ein paar Stufen unter ihm lauerte sein Vater, sprungbereit, das Messer wieder in der Hand. Ein unmenschliches Grollen drang aus seiner Kehle.
Oliver wollte zurückweichen, aber sein Körper versagte. Das Monster würde von unten zustoßen und ihn vom Bauch bis zur Kehle aufschlitzen. Vater duckte sich bereits wie ein Panther vor dem todbringenden Sprung.
Weg!
Nein, er musste sich wehren, ihn die Stufen hinabstoßen.
Jetzt oder nie.
Oliver klammerte sich an das Geländer und zog die Beine an. In diesem Moment stürzte sich sein Vater auf ihn. Er trat mit aller Kraft zu. Sein Vater stolperte rückwärts, kämpfte um sein Gleichgewicht und stürzte die Treppe hinunter.
Oliver rutschte in den Gang zurück, stemmte sich auf die Füße und lehnte sich zitternd an die Wand. Außer Gefahr waren seine Geschwister und er noch lange nicht. Die Konstitution seines Vaters überstieg seine bei Weitem. Was würde passieren, wenn dieser Irre hier oben ankam? Er wollte sich davon keine Vorstellung machen.
Unter den wuchtigen Tritten seines Vaters bebte die Holz-Stahl-Konstruktion.
Oliver blickte nach unten und fuhr zusammen.
Sein Vater stürmte herauf, die Klinge stoßbereit. In seinen Augen lag nicht das geringste Erkennen.
Olivers Herz zog sich zusammen. Leben oder sterben? Die Antwort stand außer Frage. Er würde nicht kampflos aufgeben.
In direktem Stoß zuckte die Klinge in seine Richtung.
So nicht!
Bei der heftigen Attacke bot ihm sein Vater eine o?ene Angri?sfläche. Oliver stützte sich am Geländer ab, nahm Schwung und rammte ihm erneut beide Füße vor die Brust. Betäubender Schmerz schoss durch Beine und Rücken. Wieder polterte es, als der Irre die Stufen hinabtaumelte. Oliver wurde schwarz vor Augen. Hinter seinen Lidern flimmerte grauer Nebel, der sich kaum wegblinzeln ließ.
Dafür hatte er keine Zeit.
Gott, wenn es dich gibt, hilf uns, bat Oliver stumm.
Angestrengt kniff er die Lider zusammen und zwang seine Erschöpfung zurück. Ihm blieb keine Zeit sich vollständig zu fangen. Als er die Augen öffnete, gewann die Wirklichkeit wieder Konturen. Das Messer hatte eine dunkle Spur kleiner Spritzer auf den Stufen hinterlassen und lag auf weiter unten. Eine Bewegung lenkte Olivers Aufmerksamkeit um. In den Schatten wogten Nebel auf, als sein Vater schwerfällig auf die Füße kam. In seinen Augen funkelte pure Mordlust. Wie Jack Nicholson …
Oliver schluckte trocken und wich einen Schritt zurück, sodass er gegen die Wand stieß.
Der Abstand zu seinem Vater hatte sich erheblich vergrößert, außer Gefahr waren sie dennoch nicht. Er vergeudete wertvolle Zeit!
Hektisch wirbelte Oliver herum und wich in den Flur. Die Kinderzimmertür flog auf und einer der Zwillinge sprang ihm in den Weg.
„Olli?“
Entsetzt zuckte er zurück, bevor er seinen Bruder umrannte. Michael prallte vor ihm zurück und blieb vor Marc und Ellis Tür stehen. Er weinte stumm. In seinen Fingern hielt er einen Schirm, den er als improvisierte Wa?e schwang. Panische Angst flackerte in seinen hellen Augen. Trotzdem sah er Oliver entschlossen entgegen. Unsanft schubste Oliver ihn in sein Zimmer zurück. Gegen das Licht der Straßenbeleuchtung erkannte er die Silhouette Christians, der sich mit einem kleinen Holzhammer bewa?net hatte. Instinktiv sprang er Michael und Oliver an und schlug zu. Es tat nicht weh, trotzdem zuckte Oliver. Aus der Abwehrbewegung stieß Oliver seinem Bruder die Hand vor die Brust. Christian prallte zurück.
„Raus hier!“, brüllte Oliver mit überschnappender Stimme.
Mit Tränen in den Augen und schmerzverzerrtem Gesicht wimmerte Christian. „Olli, was ist los?“
Auf der Treppe hörte er bereits seinen Vater. Unwirsch wies Oliver mit dem Kopf auf das Fenster.
„Klettert auf die Garage! Ich hole Marc und Elli.“
Christians Augen weiteten sich. „Aber …“
Hinter ihnen polterte es im Treppenhaus. Panik rann glühend durch Olivers Adern.
„Flieh mit Micha! Ruft die Polizei!“
Ohne auf eine Antwort zu warten, zog er die Tür des Zimmers hinter sich zu und stürzte in den Nebenraum. Elli kam ihm weinend entgegengelaufen. Sie klammerte sich an ihn. Unsanft befreite er sich und warf hinter sich die Tür ins Schloss. Aus dem Zimmer der Zwillinge hörte er, wie das Fenster geö?net wurde. Schritte im Kies auf der Garage folgten. Einen Augenblick später gellte ein Schmerzensschrei aus dem Garten. Michael begann zu weinen, Christian rief ihm zu und sprang selbst. Als sich die Stimmen der beiden entfernten, atmete Oliver auf. Nun musste er nur noch Marc und Elli nach draußen bringen. Doch bevor er den Gedanken in die Tat umsetzen konnte, prallte sein Vater bereits wieder gegen die Tür. Das Schloss hielt dem ersten Ansturm stand. Ein weiteres Mal würde seinem Vater dieser Fehler aber nicht unterlaufen.
Oliver stemmte sich gegen das Türblatt, und tastete nach dem Schlüssel. Er fehlte. Verdammt …
Hitze und Kälte rannen durch seine Adern. Sein Vater drückte die Klinke hinunter. Wenn er sich dagegenstemmte, waren sie geliefert. So viel Kraft hatte Oliver nicht.
„Nimm Marc und versteck dich!“, hauchte er.
Elli schüttelte vehement den Kopf. Sie krallte sich in seine Hose und rieb ihr fiebriges, feuchtes Gesicht an seinem Bein. Tränen rannen über ihre Wangen. Mit beiden Händen umklammerte sie seinen Oberschenkel.
„Elli, weg!“ Oliver versuchte, sich von ihr zu befreien. Ihm blieb nicht die Zeit, etwas zu unternehmen. Sein Vater warf sich erneut gegen die Tür. Holz splitterte.
Ich bin tot, wir alle sind tot!, schoss es Oliver durch den Kopf.
Die Wucht katapultierte ihn durch den halben Raum. Er riss seine kleine Schwester von den Füßen und begrub sie unter sich. Elli schrie vor Schmerzen und Angst auf. Erschrocken rollte er sich herum und drückte sie von sich aus der Reichweite seines Vaters.
Der Anblick des blutigen Riesen raubte ihm allen Mut. Wie gelähmt starrte er seinen Vater an.
„Nicht! Marc und Elli sind Kinder, du darfst sie nicht töten!“
Doch sein Vater war mit einem Sprung bei ihm. Hart gri? er in Olivers lange Locken und verkrallte sich darin.
„Nicht …“
Stechender Schmerz zuckte durch Olivers Kopfhaut in seinen Nacken. Brutal riss sein Vater ihn herum und stieß ihn gegen Marcs Bettchen.
Nichts geschah. Kein Geschrei von Marc.
Oliver verlor den Gedanken, als er zu Boden fiel. Ihm wurde schwindelig und schlecht. Ein Faustschlag traf ihn zwischen den Schulterblättern. Er hörte seine Knochen brechen, während alle Luft aus seinen Lungen getrieben wurde.
Durch die wirbelnden Nebel seiner Erschöpfung nahm er nur noch wenig wahr. Alle Empfindungen sanken zu einem betäubenden Nichts herab. Elli zerrte an ihm. Das Gefühl versickerte. Heiser weinte sie, schniefte, verstummte …
Warum schrie Marc nicht? Der Gedanke hinterließ eine glühende Spur, die ihn elektrisierte. Trotzdem reichte der Schrecken nicht, dass er sich hochstemmen konnte.
Kleine, heiße Kinderhände suchten nach Halt. Oliver zog Elli eng an sich und krümmte sich zusammen. Sie wagte nicht mehr, irgendeinen Laut zu verursachen. Das bebende heiße Bündel Mensch in seinen Armen war voller Leben und Angst.
Noch.
In der Sekunde drang die Klinge in sein gebrochenes Schulterblatt. Der Schock benebelte seinen Schmerz, nur, um einen Herzschlag später doppelt so stark zu explodieren. Oliver schrie. Es klang fremd in seinen Ohren. Ellis dünnes Weinen setzte ein, mischte sich in seine Stimme. Keuchend vergrub er das Gesicht in ihrem Haar, vor seinen Augen tanzten Blitze, etwas rauschte. War das sein eigenes Blut in den Ohren? Das Geräusch war so laut, dass es Elli übertönte und ihn in einen grauen Strudel aus Erinnerungslosigkeit zu reißen drohte.
Elli, kleine Elli …
Sein Vater zerrte ihn an den Haaren hoch. Der Schrei seiner Schwester drang tief in sein Herz. Oliver klammerte sich an sie.
Wieder erinnerte er sich an Marc. Sein jüngster Bruder lag vollkommen ungeschützt in seinem Bett. Er wäre ein leichtes Opfer.
Blindlings tastete Oliver tastete nach ihm. Seine Finger umklammerten das Holzgitter und berührten Marcs winzige Füße. Der Kleine war ihm so nah, zugleich aber unendlich weit entfernt. Er erschrak über die Bewegungslosigkeit seines Bruders. Warum schrie Marc nicht? Warum strampelte er nicht?
Tot …
Oliver konnte den Gedanken nicht festhalten. Instinkte verdrängten den Verstand.
Fort.
In einem letzten Aufbäumen warf er sich nach vorne. Er spürte, wie ihm sein Vater dadurch die Haare büschelweise ausriss. Dumpf und fern fühlte sich der Schmerz an – fremd. Er fiel hart zu Boden, wobei er den weichen Körper Ellis unter sich begrub. Seine Schwester keuchte atemlos und weinte nun ungehemmt. Er hörte schwach ihren rasselnden Atem.
Mit ihren kleinen Ärmchen kämpfte sie gegen sein erdrückendes Gewicht an. Mühsam zog er die Beine an den Leib. Es kostete ihn unendlich viel Kraft, aber sie bekam dadurch etwas mehr Freiraum.
Das Messer traf ihn wieder, aber nicht tief. Sein Vater zog es aus seinem Körper. Eine Woge betäubender Erleichterung raste durch seinen Verstand, nur um erneut in Agonie zu explodieren, als die Klinge wieder in ihn eindrang, wieder und immer wieder.
Oliver glaubte, die Schmerzwellen zu fühlen, die durch seine Nerven bis in seine Fingerspitzen schossen. Seine Welt versank in blutigen Schleiern und panischer Angst, während er Elli unter sich barg. All seine Empfindungen stumpften ab. Der letzte Gedanke galt seinem Vater: Warum?

Gefallen? Mehr gibt es im Winter 2017 / 2018.

 

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Eisnacht – eine Kurzgeschichte zu „Der Rebell“

Oliver

Hier wieder mal was Unheimliches zu Ollis Erbe – der Buchhandlung, dem Archiv und dem alten Mietshaus im Wiesbadener Rheingau-Viertel …

Eisnacht

Fahles Laternenlicht zerfaserte. Eisige Nebel hingen in den Straßen, zwischen den Häusern und dämpften jeden Laut auf ein unwirkliches Echo herab. Der Asphalt war glatt.

Durch die drückende Atmosphäre roch die Luft nach Abgasen. Unter den Gestank mischte sich der Duft nach Gebäck, Tannennadeln und Harz.

Oliver zog seinen Rollkragen aus der schäbigen Lederjacke und vergrub sich darin. Sein warmer Atem und der hautwarme Wollstoff vermittelten ihm den trügerischen Eindruck, nicht mehr so stark zu frieren. Seine Häsin Opa krallte sich unter Pulli und Jacke fest. Die Wärme des Tieres tat gut. Trotz allem wollte Oliver so schnell wie möglich wieder in seine beheizte Buchhandlung zurück. Unter seinem Arm klemmten mehrere schwere Lederfolianten, gründlich eingepackt, die er vom Restaurator abgeholt hatte. In Gedanken befand er sich bereits zu Hause. Die überfüllte Innenstadt verdeutlichte ihm, dass man in der Vorweihnachtszeit eher Zeit mit Familie und Freunden verbringen sollte.

Geiler Kommerz, dachte er verärgert.

Er sehnte sich nach einer heißen Dusche oder einem Bad. Der Gedankengang aufzutauen, war verlockend. Leider ging die Arbeit vor.

Mit weit ausgreifenden Schritten eilte er durch die Straßen. Er ignorierte die erleuchteten Schaufenster und die geschmückten Häuser.

Weihnachten? Ein Fest für Weicheier!

Als er endlich die Haustüre hinter sich ins Schloss drückte, fror er in dem Hausflur nur noch mehr. Die Wände atmeten Kälte aus. Es lag nicht an dem Winterwetter, sondern an dem bohrenden Gefühl, aus verschiedenen Richtungen beobachtet zu werden. Die Schatten dehnten und wanden sich vor seinen Augen. An manchen Stellen, direkt unter der Treppe, jenseits des Windfangs, ballten sie sich.

Zuckte dort nicht der konturlose Schädel eines Wächters? Oliver ballte die Fäuste. Unter seiner Jacke strampelte Opa. Sie spürte ihre Anwesenheit ebenfalls.

„Beruhig’ dich, Dicke.“ Seine Stimme bebte. Trotz allem fehlte das Gefühl wirklicher Angst. In all den Jahren, die er und seine beiden jüngeren Brüder hier lebten und arbeiteten, hatte er sich an die permanente Anwesenheit von Geistern gewöhnt. Aber er verabscheute die Wächter. Obwohl er sie nicht deutlich ausmachen konnte, spürte er die gesichtslosen Geisterfresser. Einer der Verdammten musste ihnen aus ihrer grell weißen Welt entkommen sein.

Opa strampelte heftiger. Mit einer Hand strich er über die zappelnde Beule in seiner Jacke. Das Tier beruhigte sich widerwillig. Sie fürchtete sich. Schaudernd tastete er nach dem Lichtschalter. In diesem verrotteten, alten Geisterhaus konnte einfach niemand leben.

Licht flutete die steilen Treppen. Tatsächlich kauerte ein Wächter unter der Treppe, auf der Rückseite seines Geschäftes. Das Wesen war außergewöhnlich klein. Oliver kannte drei bis vier Meter große Wächter. Trotz allem verlor das Geschöpf nichts von seiner Bedrohlichkeit. Der augenlose Schädel pendelte auf dem zwei Meter langen, dünnen Hals. Aus den ausgerissenen Winkeln seines Maules troff Speichel.

Es klaffte auf. Die fingerlangen, spitze Zähne riefen in Oliver unangenehme Erinnerungen wach. Diese Wesen jagten und fraßen Geister, die sich nicht an die Grenzen der hoffnungslose Spiegelwelt hielten und ausbrachen. Ihm war klar, dass die Wächter keine helfenden, freundlichen Geschöpfe hinter den Spiegeln fest hielten. Das, was sich dort verbarg, waren Monster.

Der massige Leib senkte sich, als der Wächter sich auf seine vergleichsweise kurzen, muskulösen Hinterbeine setzte, um sich vorne auf den doppelt so langen Vorderläufen abzustützen. Der Anblick erinnerte Oliver an eine groteske Mischung aus einem Dinosaurier und einem besonders hässlichen Hund.

„Was willst du?“ Oliver sah den Wächter herausfordernd an.

Ein tiefes Grollen drang aus der Kehle des Wesens.

Mit einigen Sätzen stand Oliver auf gleicher Höhe. Der Kopf des Wächters zuckte zu ihm. Fauliger Atem schlug Oliver ins Gesicht. Er wendete sich kurz ab. Der lange Hals reckte sich um ihn herum. Es schien fast, als suche der Wächter nach Olivers Aufmerksamkeit.

„Was willst du?“

Von dem Monster kam keine Reaktion. Lediglich sein abstoßender, flacher Schädel rückte näher.

„Wo bleibt deine Empathie? Sonst seid ihr doch auch hervorragend darin, mir den Kopf mit eurem bescheuerten Gedankengut zu füllen.“

Das Wesen reagierte nicht. Oliver umging den Wächter. Ihm war bewusst, dass mit dem Wächter irgendetwas nicht stimmte. Das Ding war nicht nennenswert größer als er selbst. Es zwang ihm auch keine Gefühle und Eindrücke auf, wie seine größeren Artgenossen. Kopfschüttelnd schloss er die Hintertüre des Ladens auf und öffnete den Stromkasten, um die Hauptsicherung einzudrehen. Die gelben Lampen flackerten, bevor sie wieder ausgingen.

„Scheiße!“ Oliver versetzte dem Kasten einen Schlag. Er legte die Bucher auf den Boden. Opa wurde bei der Bewegung zusammengestaucht und zappelte verärgert. Entnervt öffnete er den Reisverschluss und die Hüftschnallen, damit sie frei im Geschäft herumhoppeln konnte. Die massige Stallhäsin sprang mit einem weiten Satz auf den Boden und schlidderte auf den gebohnerten Dielen bis an die Kante zu den Stufen in das Ladenlokal. Nachdem sie sich gefangen hatte, klopfte sie mit ihren kräftigen Hinterläufen mehrfach aufgebracht und klapperte beleidigt mit ihren Zähnen. Er beobachtete, wie sie aus dem Lichtkegel des Treppenhauses, zwischen den Buchregalen verschwand. Ein unförmiger Schatten fiel auf den Boden. Feuchtheißer Atem schlug ihm in den Nacken. Er fuhr herum. Der Wächter kauerte auf der Schwelle. Sein Kopf pendelte keine Hand breit vor Olivers Gesicht.

Sein Magen verkrampfte sich. Ihm wurde schlecht. Zugleich ballte sich Wut in ihm.

„Verpiss dich!“ Er stieß den Kopf des Wächters mit der Hand zurück. Unbeeindruckt blieb das Wesen hocken.

„Bist du ein Hund?“, fragte Oliver entnervt. Er wandte sich kopfschüttelnd ab. Mit flinken Fingern drehte er eine Ersatzsicherung in den Kasten.

Das Licht flackerte. Unter der Decke entflammten mehrere archaische Kristalllampen. Oliver atmete auf.

Ohne dem Wächter weitere Beachtung zu schenken, hob er die Bücher auf.

Er warf er Jacke und Mütze auf den Tresen. Mit beiden Händen fuhr er sich durch den Iro.

Dielen knarrten. Erschrocken sah er sich um. Der Wächter blieb stehen.

„Was willst du nur?“

Erneut blieb der Wächter stehen. Ohne es begründen zu können, empfand er das Monster als vollkommen ungefährlich. Die Reaktion seiner Häsin sprach eigentlich dagegen. Opas Instinkt war ein untrüglicher Indikator für Gefahren.

Der Wächter reckte sich. Sein Maul klaffte auf. Aus den Tiefen seines Halses drang dumpfes Grollen. Speichel troff zu Boden. Trotz allem ging sein Augenloser Blick weit an Oliver vorbei.

„Was …“

Das Gefühl, nicht mehr allein zu sein, erfüllte ihn. Ein eisiger Hauch strich über seinen Rücken. Sofort begann er wieder zu frösteln. Die Härchen auf seinen Armen elektrisiert. Er kannte das Gefühl. Geistererscheinungen kündigten sich so an.

Langsam wandte er sich um. In der Mitte des Ladens stand ein kleines, zierliches, vielleicht fünfjähriges Mädchen, dessen dunkle Locken von einer schäbigen Schleife aus dem Gesicht gebunden wurden. Sie trug wollene Strümpfe und ein mattrotes Kleid. Über dem Die Armbinde mit dem Davidsstern zeichnete sie als Jüdin aus.

„Ruth?“ Obwohl er es nicht wollte, zuckte Oliver zusammen. Ungläubig starrte er seine kleine Geisterfreundin an. Bislang begleitete sie nie diese Todeskälte.

Im gleichen Moment schalt er sich einen Narren. Ruth war kein böses Geschöpf.

Ihre ewig verweinten Augen gaben ihr den Anschein verloren zu sein. Trotz allem lag erwachsener Ernst in ihrem Blick.

Der Wächter grollte immer noch hinter ihm.

„Ach, gib Ruhe!“ Er sah sich nicht zu dem Wesen um. Eilig trat er um den Tresen herum und setzte sich auf die Stufen.

„Was ist, Ruth?“

Sie erwiderte einen Moment seinen Blick und zögerte. „Der Wächter ist nicht wegen mir hier.“ Ihre erwachsene Stimme passte nicht zu dem Kinderkörper. „Ich weiß nicht, wer ausgebrochen ist, aber …“ Sie unterbrach sich, als würde sie lauschen. Das Grollen des Wächters nahm zu. Oliver sah über die Schulter. Das graue Monster schien sich aufzublähen. Kopf und Körper gewannen ständig an Masse. Binnen Sekunden füllte das Ding den schmalen Flur fast aus. An seinen Fängen troff grünlicher Schleim herab. Eine Woge unidentifizierbarer, bizarrer Gedanken drang in Oliver ein. Gefühle, die nichts Menschliches an sich hatten, durchdrangen seine Seele. Spinnfinger griffen in sein Wesen ein, zerrten alle Empfindungen hervor und wirbelten sie durcheinander. Tausend Stimmen explodierten in grellem Kreischen. Weißes Licht flackerte vor seinen Augen. Der antike Buchladen umriss sich scharf in schwarzen Schlagschatten: die Welt hinter den Spiegeln. Es tat weh. Oliver presste die Kiefer aufeinander. Er glaubte den Verstand zu verlieren. Sein Körper wurde von dem Wächter ausgehöhlt. Schwäche ergriff ihn. Er sackte bebend in sich zusammen.

Genauso brutal, wie der Wächter sich mit ihm verband, zog er sich auch zurück. Von einem Moment zum nächsten herrschte vollkommene Stille. Die Leere, die das Wesen zurückgelassen hatte, breitete sich in Eisnebeln aus.

Obwohl er den Laden sah, fühlte Oliver sich blind. Ein hoher, pfeifender Ton in seinem Innenohr signalisierte ihm, dass er wieder zu sich kam. Mühsam schüttelte er die Taubheit ab …

Schmerz durchzuckte ihn, als Opa ihre langen Nagezähne in seinen Finger rammte.

„Spinnst du?!“ Er zog die Hand weg und schob seine Häsin mit dem Stiefel zur Seite. Opa ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie sprang über die Stahlkappe hinweg und hockte sich zwischen seine Beine.

Oliver wich ihrem vorwurfsvollen Blick aus. Ruth stand nur einen Schritt von ihm entfernt. In ihren Augen glomm tief rotes Feuer. Ihre Lippen bebten vor Anstrengung. Hatte sie den Wächter etwa zurück gedrängt?

Ein formloser, heißer Leib berührte Olivers Rücken. Er fuhr herum. Der Wächter drängte sich an ihn. Weit über Oliver pendelte der Schädel. Er folgte der Richtung, in die das Wesen spähte.

Aus einer Ecke zwischen den Buchregalen wehte kalter Nebel in den Raum. Die Temperatur sank deutlich. Eine mächtige, böse Entität befand sich hier. Eiskristalle flirrten zu Boden. Schauer rannen über seinen Rücken. Die feinen Härchen auf seinen Armen richteten sich auf. Sein Atem kondensierte vor seinen Lippen. Trotzdem er fror, rann Schweiß über seine Schläfen. Irgendetwas Unvorstellbares kam.

Oliver sprang wütend auf. Etwas Vergleichbares war in all den Jahren, die er seit dem Selbstmord seines Großvaters hier lebte, nicht einmal passiert.

Opa zog sich zähneklappernd hinter ihn zurück, während der Wächter die Stufen hinab sprang. Ruth wich ihm in letzter Sekunde aus.

Sein Massiger Leib duckte sich zu Boden. Er zog den Hals an und wartete. Seine Klauen fetzten Splitter aus dem Holz. Er schien zu lauern.

„Was ist das, Ruth?“

Dicht neben Oliver materialisierte ihre Gestalt. Sie antwortete nicht, spannte sich aber.

Oliver musste wissen, was geschah. Er löste sich von ihrer Seite und spähte in den Gang zwischen den Regalen. Eis überzog Schaufenster, Boden und Bücher. Schemen zuckten über die sonst so staubige Scheibe. Die Buchhandlung wurde gespiegelt. Allerdings sah sich Oliver nicht in der Reflektion. An seiner Stelle stand ein ihm vertrauter Mann, sein Großvater.

Die grausamen, verfallenen Züge brannten sich in Olivers Verstand. Der Alte erinnerte an eine bizarre Karikatur eines Menschen. Alle negativen Emotionen hatten sich in die Mimik um den lippenlosen Mund gegraben. Helle, fast blinde Augen starrten aus tiefen Höhlen. Die Pergamenthaut riss bereits über den hohen Wangenknochen und dem massiven Kiefer. Der Geist entblößte Ruinen gelber Zähne, die kaum noch in den Resten des einst rosigen Gewebes saßen. Aus seinem Mund wand sich ein Klumpen schleimigen Fleisches.

Der Alte umklammerte mit beiden Armen Bücher. Aus den alten Werken troff Blut auf die Dielen.

Oliver stöhnte gequält auf. Einen Herzschlag später brach grell weißes Licht aus der Scheibe. Die Welt um ihn gerann zu flackernder Helligkeit. Zeitgleich verschob sich der Raum. Er war dem Geist nah genug, um ihn berühren zu können. Mit einem Satz brachte er Abstand zwischen sich und seinen Großvater.

Wo waren der Wächter, Opa und Ruth?

Olivers Blick irrte durch den verzerrten Innenraum des Ladens. Nichts, niemand. Er war mit seinem Großvater allein. Wütend knirschte er mit den Zähnen.

Der Alte umklammerte die Bücher. Sein Maul verzog sich zu einem grotesken Grinsen.

„Dein Leben für meine Freiheit!“

Seine Stimme klang wie Fingernägel auf einer Tafel. Oliver überlief eine Gänsehaut. Tief in seinem Herz bohrte Angst. Er kannte die Welt hinter den Spiegeln, schließlich war er schon einmal gestorben und wurde zurückgeholt. Wahrscheinlich hatte dieses Erlebnis seinen Geist für die Ebene der Toten sensibilisiert. Innerlich gefror er. Dieser Ort war erbarmungslos. Die Sünden, die im Leben begangen würden, geißelten die Seele auf ewig.

Er atmete tief durch. „Glaubst du wirklich, dass ich dabei mitmache?“ Er schüttelte den Kopf. „Vergiss es!“

Der Alte ließ die Bücher zu Boden gleiten. Zwei von ihnen schlugen an willkürlichen Stellen auf.

„Alles, was ich aufgebaut habe, vernichtest du!“ Der alte Mann ballte die Fäuste. Oliver spannte sich. Das Licht brannte in seinen Augen. Er musste sich beherrschen, nicht zu blinzeln. Schleichende Ermattung ergriff ihn. Lebenskraft floss aus ihm heraus. Er musste etwas unternehmen. Mühsam sammelte er Kraft.

Waren Geister für ihn nicht stofflich?

„Der Schatz, den ich zusammengetragen habe …“

Ohne Vorwarnung rammte er seinem Großvater die Faust gegen den Kehlkopf. Der Alte brach keuchend in sich zusammen.

„Was soll der Scheiß! Du hast dir das Leben genommen, du elender Feigling. Ansprüche kannst du gar keine mehr anmelden!“

Wütend drückte er den alten Mann nieder. „Was hast du getan, um an alte Bücher zu kommen?!“

Röcheln antwortete ihm. Oliver lockerte seinen Griff. „Was wirfst du mir vor?!“

Der Alte schlug seine Hand fort. „Skrupel!“ Seine gesplitterten, nikotingelben Klauen schossen vor. Oliver sprang zurück. Trotz seiner Reaktionsschnelle zogen die Nägel brennende Spuren über seine Brust.

Seine Energie ließ nun rapide nach. Keuchend trat er nach seinem Großvater, der wieder auf die Beine kam. Er hörte ein ungesundes Knacken in den morschen Knochen, als er mit dem Stiefel Schienbein und Knie traf.

Der Alte schrie.

Wie lang sollte dieser Kampf noch gehen? Mühsam richtete Oliver sich auf. Er musste diesen Ort verlassen, bevor seine Lebensenergie sich in der Welt hinter den Spiegeln verteilte.

Taumelnd drehte er sich im Kreis. Wo befand sich das Portal?

Die blendende Helligkeit war das Einzige, was er sah.

Rasch drehte er sich zu dem Alten um.

Sein Großvater hatte sich aufgerichtet. Er presste die Bücher wieder an sich. „Mein Leben …!“

Wie eine Katze sprang der Alte ihn an. Schmerzen empfand er keine mehr.

Oliver wankte zur Seite. Sein Gleichgewicht setzte aus. Für einen furchtbaren Moment wusste er, dass sein Großvater gewonnen hatte. In der gleichen Sekunde löste sich etwas in seinem Verstand. Plötzlich sah er die Welt anders, klarer. Stimmen flirrten um ihn herum. Tiefe, dunkle Gefühle fluteten seine Seele. Vollkommen neue, monströse Stärke rann durch seinen Körper. Er wusste unumstößlich, dass etwas Unmenschliches von ihm Besitz ergriffen hatte. Der Gedankengang ging so schnell, wie er kam. Einen Augenblick lang kannte er sogar die Antwort auf seine Fragen. Als die Klauen seines Großvaters in seine Brust drangen, verwischten die Eindrücke.

Es tat nicht weh. Er starb nicht … Die Arme des Alten steckten bis zu den Ellbogen in seinem Körper. Der Blick der hellen Augen wechselte von Triumph zu Entsetzen.

Oliver spürte, wie er die Macht über seine Handlungen verlor. Ein anderes Bewusstsein nistete sich ein, beherrschte ihn. Mit aller Kraft versuchte er den Eindringling zurück zu drängen. Ein stechender Schmerz in seinen Schläfen ließ ihn zusammen zucken. Er hörte das Grollen des Wächters in seinen Gedanken.

Gib nach!

„Nein!“

Wir sterben.

„Nie!“

Er ist ein Mörder.

„Ich …“ Oliver wurde schlecht. Er wusste, dass sein Großvater getötet hatte. Ihm fiel es immer schwerer, dem Bewusstsein des Wächters Stand zu halten.

Er hat seinen Schatz mit Leben erkauft.

Obwohl ihm das keine Neuigkeit war, erschütterte ihn diese Wahrheit. Der Wächter nutzte seine Chance. Von einer Sekunde zur nächsten zwang ihn das Wesen in die Position des Beobachters. Oliver war nicht mehr Herr seines Körpers …

Sein Kopf zuckte gegen die Kehle seines Großvaters. Ein schwacher Hauch Entsetzen berührte sein Herz, bevor sich seine Zähne in die Kehle des Geistes schlugen und sie heraus rissen.

Bebend starrte Oliver auf seine Brust. Nichts. Dort, wo der Geist gestanden hatte, lagen nur ein paar Bücher, die vom Auslagentisch heruntergefallen waren. Das warme Licht der Kristalllampen umfing ihn. Er befand sich wieder in der Realität. Mit einem Blick über die Schulter vergewisserte er sich, dass der Wächter diese Ebene verlassen hatte. Ruth hockte auf den Stufen, Opa neben sich. Ihre Augen schimmerten feucht. Zum ersten Mal sah er sie weinen.

„Was ist denn, Kleines?“ Auf unsicheren Beinen wankte er zu ihr und ließ sich neben sie fallen. Ruth lehnte sich an ihn. Wie selbstverständlich wischte sie ihr feuchtes Gesicht an seinem Pullover ab.

„Hey, lass das mal nicht zur Gewohnheit werden!“

Sanft umarmte er sie. Ruth seufzte. „Es ist gut, dass du zu ihnen gehörst.“

„Was?“

Sie richtete sich auf. „Du bist einer der Wächter, nur auf der anderen Seite der Spiegel“, entgegnete sie. Mit einer Hand zupfte sie an ihrem Rocksaum.

Eisiger Schrecken rann durch seine Adern. „Quatsch …“

Sie brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen. „Warum glaubst du, sammeln sich Geister in deiner Nähe?“

Er hob die Schultern. „Weil das ein verdammtes Haus ist?“

Vehement schüttelte sie den Kopf. „Du bist einer der Wächter. Die Grauen sind deine Gefährten.“

Er legte die Stirn in Falten. „Und woher weißt du das, Fräulein Naseweis?“

Mit gehobenen Brauen und dem Tonfall einer Erwachsenen entgegnete sie: „Weil dein Großvater – mein Vater – schon einer war.“

Oliver zuckte zusammen. „Niemals!“

Sie lachte humorlos auf, bevor sie sich erhob. „Er ist für die ruhelosen Seelen verantwortlich, Oliver.“ Ihre Stimme nahm einen beschwörenden Klang an. „Um an die ganzen Werke zu gelangen, opferte er hunderte Menschen. Ihr Leben ist an diesen Ort und an die wertvollen Bücher gebunden.“ Sie drehte sich im Kreis. Mit einer Hand strich sie über ihre Brust. „Er hat sogar meine Mutter und mich geopfert.“ Oliver erhob sich. Behutsam zog er den Kinderkörper an sich und streichelte ihren Kopf. „Es ist vorbei, Ruth. Dein Vater kann dir und deiner Welt nie mehr gefährlich werden.“

Die Nacht in mir – Kurzgeschichte zu „Schattengrenzen“

Die Nacht in mir

Passend zu kalten und bald weihnachtlichen Zeit – hier ein Link zu einer unveröffentlichten Kurzgeschichte zu „Schattengrenzen“ (Der Rebell)

Die Nacht in mir

Wann fing es an?
Oliver wusste es nicht mehr genau. Loderte das Feuer schon in ihm, als sie sich das erste Mal begegneten?
Nein, unmöglich. Zu Anfang empfand er Daniel lediglich als aufdringlich. Er nahm ihn nicht einmal wirklich wahr. Oliver senkte die Lider.

Er erinnerte sich noch an jenen kühlen Herbsttag, an dem er und seine Brüder übergangsweise in das Johannesstift gebracht wurden. Nach dem Mord an ihrer Mutter und dem Zusammenbruch ihres Großvaters boten sich ihnen keine weiteren Perspektiven mehr. Sie alle standen am Anfang eines Kriminalspektakels, in dem Oliver eine besondere Rolle zugedacht war. Für ihn begann eine Berg- und Talfahrt seiner Gefühle. Die Angst, seine beiden kleinen Brüder zu verlieren, Gewissensbisse, Entsetzen über die Ergebnisse ihrer Ermittlungen und die kleinen, berührenden Freuden zerrten bis heute an ihm. Seine Seele nahm damals Schaden.

In dieser Zeit drängte sich Daniel in sein Leben. Der Polizist kam Oliver falsch in seiner Rolle als Kommissar vor. Ihm fehlte jene würdevolle Distanz, die seine älteren Kollegen vermittelten. Zu seinen Fällen baute er immer eine Art persönlicher Nähe auf. Überhaupt unterschied er sich in allem von jedem anderen Beamten.
Daniel platzte in die trübe Realität. Er war herrlich lebendig. Seine Einstellung den Tag und nicht die Zukunft zu leben, vereinnahmte Oliver für ihn fast genauso sehr, wie seine unverwüstliche Frohnatur und seinen sträflichen Leichtsinn.

Während dieses komplexen Falles nahm Daniel zuerst die Rolle des Beschützers ein. Nach kurzer Zeit wurde er für Oliver Freund und Vertrauter. Vielleicht waren seine ersten, zaghaften Gefühle das Resultat von Daniels bedingungsloser Fürsorge.

Oliver erinnerte sich, dass er in seinem Freund sehr bald mehr sah. Daniel bedeutete ihm viel, vielleicht alles. In der damaligen Situation und seiner schrecklichen Ungewissheit über die Zukunft war er überfordert. Mit fünfzehn, fast sechzehn, erlag man schnell seinen Gefühlen.
Seine Welt brach ein, als der Fall abgeschlossen war. Ihre Wege trennten sich. Oliver verlor seine erste große Liebe.
So glaubte er wenigstens …

Lag dort der Anfang?
Er konnte sich diese Frage vorbehaltlos beantworten. Seit damals liebte er Daniel.
Doch an welchem Zeitpunkt entschied sich sein Freund für ihn? Darüber schwieg Daniel.

Olivers Blick schweifte hinaus. Das schwache Abbild seines Gesichtes reflektierte in der Fensterscheibe. Er ignorierte es. Eisnebel hing in der Luft. Die Dämmerung trat langsam ein. In einer knappen Stunde würde es hell werden. Die Trostlosigkeit der reifüberdeckten Hügel spiegelte die Leere in seinem Herz wieder. Seit zehn Tagen, genaugenommen seit seinem neunzehnten Geburtstag, hatte er diesen Raum nicht mehr verlassen. Die trockene Heizungsluft reizte seine Augen. Sie tränten ständig. Der Geruch war unangenehm. Er versuchte ihn zu ignorieren. Was gäbe er nur für eine Zigarette; eine jener furchtbaren billigen, die Daniel immer rauchte. Er schob den Gedanken von sich.

Erneut stellte er sich die Frage, wann es tatsächlich begann. Für Oliver mit Sicherheit in dem Moment, in dem er Daniel nicht mehr als reinen Freund sah. Aber wann verliebte sich Daniel in ihn? Wie schwer fiel es ihm, den großen Altersunterschied zu ignorieren? Zehn Jahre waren viel. Meldete er sich deswegen bis zu jenem 14. Dezember nicht? Seine Gedanken schweiften zurück in die Zeit vor drei Jahren.

*

„Hoffmann!“, Oliver zuckte zusammen. Er saß auf seinem Bett, das Kissen im Nacken und die Decke im Rücken zusammengerollt. Im Hintergrund lief Musik. Er hörte nicht wirklich zu. Seine Aufmerksamkeit galt anderen Dingen.
Um ihn verteilt lagen seine Schulbücher. Nach fast einem Jahr Rekonvaleszenz musste er den Stoff so schnell als möglich nachholen. Er wollte die Klasse nicht wiederholen. Zum Wiedereinstieg wurde er zuerst noch einmal in die gleiche Klassenstufe verlegt, aus der er durch seinen Ausfall heraus gerissen wurde. Dank vieler Test und seiner guten Noten konnte er wieder in seinen Jahrgang wechseln. Allerdings fiel es ihm nun wesentlich schwerer. Jetzt nutzte er jede freie Minute zum Lernen.
Auf seinen Knien lag ein Collegeblock. Was ihm wichtig erschien, schrieb er auf. Sein analytischer Verstand funktionierte noch wie vor der Zeit in der Klinik. Er wollte sein Abitur verkürzen. Zeit gönnte er sich nicht. Es stand außer Frage, dass er – elternlos wie er war – nun nicht mehr studieren konnte. Oliver setzte sich ein neues Ziel. Er wollte die Buchhandlung seines Großvaters übernehmen. An sich gab es nicht sonderlich viel, was ihn an diesem Beruf reizte, allerdings war es die einzige Möglichkeit, Geschäft und Haus in Familienbesitz zu behalten.

Obwohl er heute sechzehn Jahre alt wurde, war dieser Tag so wenig besonders wie jeder andere. In der kleinen Wohneinheit, in der er lebte, nahm darauf auch keiner der Pfleger Rücksicht.

Kai stieß die Tür auf.
„Sag mal, du Penner, hast du nicht gehört?!“, fauchte er.
Oliver knirschte zornig mit den Zähnen. Er hob den Blick und starrte den Jungen an. Er kannte Kai aus dem Johannesstift. Obwohl sie einander nicht mochten, verband Oliver etwas Positives mit ihm. Es war der Moment in dem er das erste Mal auf Daniel traf. Kais Gegenwart erinnerte ihn täglich mit bittersüßen Gefühlen daran. Trotzdem verging kein Tag, an dem sie sich nicht gegenseitig bekriegten.
„Was?!“, zischte Oliver gereizt. Kais schlanke, kleine Gestalt wich bis auf den Flur zurück. Seine Mimik änderte sich trotzdem nicht. Er war die wandelnde Aggression.
„Besuch, Arschloch!“, gab er zurück. Seine Stimme sank auf ein Grollen herab, was seinen unstillbaren Zorn nur verdeutlichte.
Oliver richtete sich auf. Er rechnete mit seinen beiden kleinen Brüdern. Als Daniel an Kai vorüber trat und die Tür hinter sich zu warf, elektrisierte Olivers Körper. Kai fluchte lauthals, trollte sich aber rasch.
Daniel brachte die vorwinterliche Kälte mit sich. Der kleine Raum füllte sich mit Leben. Olivers Herz schlug schneller. Grinsend zog Daniel seine graue Wollmütze ab. An seinem Äußeren schien sich kaum etwas verändert zu haben. Sein rot-grünes Haar hing strähnig um sein schmales, kantiges Gesicht. In den hellen Augen des Polizisten schimmerte der Schalk. Er zog seine schwere Lederjacke aus und ließ sie auf Olivers Bürostuhl fallen. Irgendwie kam er Oliver noch größer und muskulöser vor.
Sprachlos starrte er Daniel an. Sein Herz schlug schmerzhaft hart. Oliver wurde bewusst, dass er seinen Freund liebte.
Rasch legte er seinen Block zur Seite und sprang auf. Stumm fiel er Daniel um den Hals. Stoff und Haut seines Freundes atmeten noch die eisige Kälte, doch sein Körper verströmte rasch Wärme.
„Das ist die Begrüßung, die ich wollte“, lachte Daniel. Er umschlang Oliver fest. Mit einer Hand wuschelte er durch Olivers gelockten, herabhängenden Iro. „Du bist unterdessen ein richtiger Punk, mein Kleiner.“ Er lachte. „Und du bist wieder gewachsen. Bald hast du mich eingeholt!“
Wortlos vergrub Oliver seinen Kopf an Daniels Schulter. Er wusste nicht, wie er reagieren sollte. Sein Schädel war leergefegt. Daniel drückte ihn lang an sich. Sein Atem streifte Olivers Hals. Wohlige Schauer durchrannen ihn.
Er fühlte sich unglaublich wohl.
„Hast du ein Karnickel in deiner Hose, oder ist das die Wiedersehensfreude?“, fragte Daniel grinsend.
Tatsächlich regte sich Olivers Körper bei der intensiven Nähe. Peinlich berührt wollte Oliver ihn loslassen, doch Daniel hielt ihn fest. „Bleib hier, dummer Kerl“, flüsterte er, wobei er seinen Griff etwas lockerte. Blut schoss in Olivers Wangen. Die Hitze, die binnen Sekunden zwischen ihren Körpern entstand, blieb bestehen.
Er sah Daniel an. Alles in ihm schrie nach seiner Nähe und dem Genuss, von ihm berührt zu werden. Er sah seinem Freund in die Augen. Eine leise, warnende Stimme in den verborgenen Winkeln seines Bewusstseins wisperte von der Gefahr ihre Freundschaft aufs Spiel zu setzen, wenn er auf diesem Weg weiter ging. Oliver ignorierte sie.
Daniel erwiderte seinen Blick. Derselbe große Ernst, den Oliver bereits an ihm kannte, breitete sich in seinen Zügen aus. Aller Schalk verschwand. Daniel schien zu überlegen. In seinen Augen spiegelte sich ein Hauch seiner inneren Unruhe wieder. Er löste eine Hand von Olivers Rücken. Die behutsame Berührung von seinen Fingern auf Olivers Wange brannten eine Spur aus Feuer über seine Haut. Wortlos neigte er sich zu ihm. Oliver wusste was Daniel wollte. Instinktiv kam er ihm entgegen. Die Lippen seines Freundes waren rau. Trotzdem nahmen sie diesem Kuss nichts von seiner Süße. Oliver spürte, wie seine Gefühle explodierten. Lava floss durch seine Adern. Seine Knie bebten. Mit flatternden Lidern erwiderte er Daniels Liebkosungen. Diese Berührungen verzauberten ihn. Oliver schlang seine Arme um Daniels Nacken. So schrecklich dieses Jahr auch sein mochte, es endete zauberhaft und schön.
Nach einer Weile löste Daniel sich von ihm.
„Alles Gute zum Geburtstag, mein Kleiner.“

*

Oliver senkte den Blick.
Damals, an jenem 14. Dezember, erwachte er zu neuem Leben. Er konnte noch immer nicht sagen, wann Daniel anfing ihn so sehr zu lieben. Die Antwort darauf blieb ihm sein Geliebter auf ewig schuldig. Sicher war nur, dass er Oliver liebte. Ihre gemeinsame Zeit war so schön und intensiv. Drei Jahre größten Glücks zerbrachen heute mit grausamer Endgültigkeit. Oliver sehnte sich schmerzhaft nach Daniels Gegenwart und Wärme.

Jemand klopfte. Die Bilder zerfaserten wie der Nebel über den winterdürren Hügeln. Die Szenerie vor ihm verschwamm. Oliver wurde klar, dass er weinte.
Kai trat ein. Oliver beobachtete seinen alten Freund in der Scheibe. Wortlos schritt Kai zu ihm. Er trug das allgegenwärtige, widerliche Krankenhaus-Grün.
Behutsam legte er Oliver eine Hand auf den Rücken. Automatisch versteifte er sich unter Kais Berührung. Sie fühlte sich so falsch an.
„Ich weiß, was in dir vor sich geht“, flüsterte Kai. Oliver presste verzweifelt die Kiefer aufeinander. Er schwieg.

In der Reflektion des Fensters erkannte er einen weiteren Mann. In den letzten zehn Tagen waren sie sich oft begegnet. Der Arzt hielt sich dezent im Hintergrund.

Oliver drehte sich brüsk um. Kais Hand glitt von seiner Schulter herab. Mit langen Schritten ging er zu Daniels Bett. Wie bleich er war. Seine Züge wirkten erschöpft und zugleich glatt wie die eines Kindes. Strähnen seiner bunten Haare lagen auf dem weißen Kissen. Auch sie wirkten farblos auf Oliver. Daniels schönes Gesicht …

Er neigte sich zu seinem Geliebten herab und küsste ihn. Seine Lippen schmeckten nach Tod. Sie fühlten sich kalt an. Diese furchtbare Krankheit! Er strich Daniel über die Wange. Heute war der letzte Tag ihrer beider Leben, das damals zu einem verschmolz. Welch ein Hohn. Was für eine furchtbare Weihnachtsüberraschung.
Der Arzt trat zu ihm. „Haben Sie die Patientenverfügung gelesen und alles unterschrieben, Herr Hoffmann?“
Oliver nickte schwach. Diese letzten Worte fielen ihm so unendlich schwer.
„Bitte, schalten sie die Maschinen ab.“

© by Tanja Meurer

Ein neuer Verlag, das schwullesbische Lesefestival und der Vincent-Preis


Ja, mich gibt es noch, so richtig schön erkältet, mit Kopfschmerzen, Husten und besonders Schnupfen.  Bis morgen bin ich ein rotgerändertes Rüsseltier. Okay, genug gejammert … nun zu den ganzen Neuigkeiten (die mal wieder massiv in einem Klotz kommen).

Zuerst: Anabelle, Zaida und Jewa, meine drei Steampunk-Damen, haben ein Zuhause gefunden. Toni Kuklik, Chefin und Verlegerin im Weltenschmiede-Verlag, hat sich bereit erklärt die Ladies zu veröffentlichen 🙂 Es werden Episodengeschichten, Krimis mit unheimlichem Einschlag und Technik. Wer Anabelle und Madame Zaida noch nicht kennt … der darf sich auf einiges Einrichten 😉

Die Nacht der Schwäne

Anabelle und Zaida

Hier auch noch mal je ein Bild der Damen mit einer kleinen Beschreibung.

Anabelle Talleyrand: französische Wissenschaftlerin aus Paris, 1867 ermordet und in einen Maschinenkörper transferiert, der ihrer eigentlichen Gestalt gar nicht mehr ähnelt. Seit 1869 in London. 1870 wird sie mit dem Einverständnis der Königin als Detektivin in ihrem Fachgebiet (der Robotik) eingesetzt. Unterdessen bearbeitet sie mit Zaida und Inspektor Hailey alle Fälle, die Außergewöhnlich sind und unheimliche Aspekte mit sich bringen.

Anabelle Talleyrand

Anabelle Talleyrand

Madame Zaida (Nayara): angolanische Magierin, ein „Mitbringsel“ eines Getreuen aus dem Gefolge König George III. Zaida sah es als willkommene Chance dem portugiesischen Diktat zu entkommen. Mit ihrem diplomatischen Geschick, ihren Künsten und ihrer Sprachkenntnis machte sie rasch von sich reden und gelangte in die höchsten Kreise, aus denen sie nicht mehr wegzudenken ist. Zaida hat sich mit Leib und Seele der englischen Krone verschrieben.

Madame Zaida

Madame Zaida

Und nun zu den anderen Punkten: am Wochenende lief – im Rahmen der Homonale – das erste schwullesbische Lesefestival in Wiesbaden. Am Samstag hatten wir extrem viel Zulauf, insbesondere bei den ersten beiden lesbischen Lesungen von Sabine Brandl und Conny Reinhard. In all den Jahren Lesecafé Wiesbaden kam es noch nie dazu, dass die Zuhörer, die durch die zwei Räume strömten tatsächlich eine Massenverdrängung hervorriefen … bis zu diesem Samstag. Noch mal mein sorry an Nicky und Ina … hinter der Theke habe ich eigentlich wenig verloren, aber ich kam aus meiner Position schlicht nicht heraus.

Generell war das Lese-Event einfach nur Genial. Ich kann und will es auch gar nicht so genau beschreiben, weil man das selbst erlebt haben sollte. Am Samstag jedenfalls war mein persönliches Highlight die Lesung der drei letzten Autoren: Jana Walther, Jannis Plastrgias und Martin Skerhut. Unterschiedlicher können die drei nicht sein, aber genialer wäre es auch nicht mehr gegangen, zumindest am Samstag nicht 😉

Hier auch einige Bilder, besonders von Jana, Martin und Jannis 🙂

1. Lesung mit Sabine Brandl

1. Lesung mit Sabine Brandl

Hier sieht man, wie viele Zuhörerinnen und Zuhörer da waren. Sabine Brandels Lesung war so übervoll, dass viele Leute vorn, an der Theke warten mussten. So voll war es wirklich noch nie.

3. Lesung/ Tanja

3. Lesung/ Tanja

Hier ist es dagegen schon still 😉 Das ist mitten aus meiner Lesung heraus. Jule hatte mich zwischendurch „kalt“ erwischt und ich bin vollkommen aus der Zeile gerutscht. Für „Olli“ hatte ich das passende Outfit an, aber zu „Mord ohne Leiche“ passten meine Armee-Klamotten mal wieder gar nicht.

Tanja

Tanja

Hier nun vor allem drei sehr schöne Aufnahmen meiner Samstags-Lieblinge:

Jana Walther, deren Romane nicht nur sehr ruhig, sondern auch sehr sensibel geschrieben sind.

Jana Walther

Jana Walther

Jannis, dessen Bücher ich einfach wegen seiner Realitätsnähe und Intensität liebe.

Jannis Plastargias

Jannis Plastargias

Und natürlich Martin, dessen Zusammenfassung seiner Geschichten allein schon der Renner war: Mensch trifft Wesen – ficken!

Martin Skerhut

Martin Skerhut

 

Den Sonntag toppte Nino Delia. Ganz ernsthaft … wer Nino nicht einmal live hat lesen hören, der sollte das schleunigst nachholen. Mit so viel Ironie, Witz und Charm habe ich noch keinen Misanthropen kennen gelernt (wie ihren Hauptcharakter). Sie und Anna Maske waren die Highlights und haben mich felsenfest von sich überzeugt.

Hier auch die Aufnahmen von Nino, die von allen fast sofort genötigt wurde ihre Geschichte einzulesen.

Nino Delia

Nino Delia

Und natürlich Anna, die zwar das Schlusslicht bildete, aber alle mit ihren beiden Kurzgeschichten und der sensiblen Erzählweise mitnahm.

12. Lesung/ Anna

12. Lesung/ Anna

Besonders viele Leser, Fans und Zuhörer kamen auch wegen dieser außergewöhnlichen Dame: Chris P. Rolls. Sie schreibt außergewöhnlich direkte und greifbare Geschichten schwuler Männer. Davon abgesehen ist sie ein toller Mensch. Jeder, der sie kennen lernt, wird überzeugt von ihrer natürlichen und offenen Art.

Chris P. Rolls

Chris P. Rolls

Alles in Allem hat sich Juliane Seidel nicht nur mit dem Lesefestival und den Autoren übertroffen, es war auch eine der genialsten Veranstaltungen im Lesecafé. Vor allem weil die gesamten Autoren nett sind und einige davon so herzlich, dass bei mir nicht nur der Kümmertick voll und ganz ausschlug, sondern ich sie alle einfach auch fest ins Herz geschlossen habe.

So wie es aussieht, findet im kommenden Jahr auch wieder ein Lesefestival statt, wieder im Rahmen der Homonale und wieder im Café Anderswo.

Nun fehlt nur noch der letzte Punkt: der Vincent-Preis 2013. Ich bin mit „Glasseelen“ und „Der Rebell“ vorgeschlagen worden. Wer also mag, kann sich das ganze mal ansehen: http://vincent-preis.blogspot.de/2013/01/romane-2013.html und abstimmen. Die Abstimmung funktioniert allerdings nur, wenn man in dem Forum angemeldet ist: http://www.horror-forum.com/. Ja, leider etwas umständlich, aber wem die Bücher gefallen haben, der darf sich gern austoben 🙂 Hier auch noch mal die Leseproben:

Glasseelen: PDF und TXT

Der Rebell: PDF und TXT

Im Übrigen hatte Frank Hebenstreit für Queer.de und Inqueery.de eine grundgeniale Rezi zum Rebellen geschrieben. Da Oliver schwul ist, passte sich der Roman „Der Rebell“ so perfekt in diese ganzen Plattformen ein. Wow 😀 Ich bin einfach nur begeistert. Es geht im Übrigen mit der Reihe auch weiter. Der dritte Band ist in Arbeit und soll im Lauf des Jahres erscheinen. Wie die, die das Buch schon gelesen haben wissen, schließt das Buch nahtlos an 🙂 Ihr könnt gespannt sein, wie Olli aus der Situation kommt und langsam alle fehlenden Puzzleteile zueinander treiben. In jedem Fall geht es unheimlich und spannend weiter 😉

Ansonsten: geht es weiter mit der Arbeit an „Die blaue Phiole“ für den Incubus-Verlag. Richtet euch schon mal auf Steam-Fantasy mit Kriminalfällen ein 😉

Homonale Wiesbaden und das schwullesbische Lese-Festival in Wiesbaden


Wie schon beim letzten Mal erwähnt, findet 2014 die 14. Veranstaltung der Homonale statt. Was ist das? – die Homonale ist ein schwullesbisches Filmfestival, was seit 14 Jahren immer im Januar von einem Freitag bis zu einem Sonntag im Lichtspielhaus Caligari sattfindet. Dazu sollte erwähnt werden, dass das Caligari eines der schönsten Kinos in ganz Wiesbaden ist. Es stammt aus den 20ern und wurde im alten Stil wieder hergerichtet. Prunk in Reinstform. Etwas für Bau- und Historik-Freaks wie mich. Davon abgesehen unterscheidet es sich gravierend von den üblichen modernen Kinos. Man hat große, breite Sessel mit rotem Samtbezug, Beinfreiheit und ein kleines Tischchen, auf dem man gefahrlos seinen (durchaus bezahlbaren) Café zwischenparken kann. Zudem gibt es eine Galerie und eine Marmor-Granit-Vorhalle. Stil, Stil, Stil 🙂

Die Homonale mit ihren ausgesuchten Filmen – allesamt stilvolles Kino, Problemkino und vor allem internationales Kino, also nicht nur die üblichen amerikanischen Streifen, sondern französische, israelische, polnische, … Filme. Hier hat sich das Homonale-Team unglaublich eingehende und sehr schöne Gedanken gemacht. Die gesammelten Vorschläge wurden gründlich geprüft und durchdacht. Anhand von Trailern und Vorpremieren fand die Auslese statt. Ich muss sagen, es kamen sehr sehr interessante Filme dabei heraus. Beispielsweise gehen für das schwule Kino Filme wie „In the Name of …“, „Der Fremde am See“ und „Liberace“ an den Satrt und für das lesbische Kino der preisgekrönte Film „La vie d’Adele“ (Blau ist eine warme Farbe) oder „Lipstika“.

In jedem Fall dürfte sich für jeden etwas finden.

Hier Termin und Ort der Homonale: 24.01. bis 26.01. und 03.02. (Nachlese) im Caligari, Marktplatz 9, 65183 Wiesbaden und der Flyer.

Ein Wochenende nach der Homonale wagt sich Juliane mit dem Lesecafé Wiesbaden an die wohl größte Aktion, die es im Zuge dessen bisher gegeben hat – ein zweitägiges Lesefestival mit schwullesbischen Autoren. An zwei Tagen lesen 12 Autoren aus ihren schwule und lesbischen Romanen, Novellen und Kurzgeschichten. Die Themen sind nicht ausschließlich das klassische Coming out sondern gehobene Belletristik, Fantasy, Steampunk, Romance, Krimi, Thriller und Mystery/ Horror. Für jeden Geschmack sollte etwas dabei sein. In der Szene bekannte Autoren wie Martin Skerhut, Jannis Plastrgias, Jana Wather und Chris P. Rolls lesen.

Lesecafé Wiesbaden

Lesecafé Wiesbaden, Schwullesbische Lesung

Hier auch der exakte Programmablauf und die Autoren. Hoffentlich gelingt es mir, von allen die aktuellen HPs zu verlinken. Wenn nicht bitte ich vielmals um Entschuldigung:

Samstag:

Sonntag:

Hier der Flyer mit den genauen Terminen.

Flyer

Flyer

Wie ihr gesehen habt, lese ich am Samstag um etwa 17:00 h. Da Chris und ich zweigleisig fahren, soll heißen wir lesen schwul und lesbisch, kann ich hier schon mal angeben, dass einmal „Der Rebell“ (Schattengrenzen II) für die Jungs an den Start geht, soll heißen Mystery-Thriller mit Horror-Elementen. Diese beiden Jungs sind die Protagonisten:

Copyright by Nathie (Creationwarrior.net)

Copyright by Nathie (Creationwarrior.net)

Und für die Ladies gehen meine beiden Damen aus den Stemapunk-Msyterys an den Start, Madame Zaida und Anabelle Talleyrand (dieses Mal mit dem neuen Buch „Mord ohne Leiche“).

Die Nacht der Schwäne

Anabelle und Zaida

Momentan interessieren sich zwei Verlage für die Geschichten. Vielleicht wird es ja was 😉 Hier auch die Rückklappentexte zu den Büchern.

Der Rebell:

Der 16-jährige Oliver und seine jüngeren Brüder Christian und Michael überleben die schlimmste Nacht ihres Lebens. Ihr Vater ermordet Mutter und weitere Geschwister. Das Motiv scheint auf der Hand zu liegen: Untreue.
Doch Oliver und seine Brüder wollen nicht daran glauben, insbesondere als auf Christian ein Anschlag verübt wird.
Fassungslos über die Tat und die Inaktivität der Polizei, suchen sie auf eigene Faust nach der Wahrheit und stoßen auf einen unheimlichen Gegner. Lediglich der unerfahrene Kommissar Daniel Kuhn steht ihnen bei.
Zur selben Zeit werden mehrere Tote im Haus des einzigen noch lebenden Verwandten entdeckt. Die Leichen liegen bereits seit 70 Jahre dort. Die Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, aber Olivers Neugier ist unstillbar. Er glaubt nicht an Zufälle und findet die Gemeinsamkeiten in beiden Fällen.
Doch ihre Gegner scheinen nicht unter den Lebenden zu weilen.

Mord ohne Leiche:

London 1876 – der Mord an einer Frau wird beobachtet, die Metropolitan Police informiert. Anabelle Talleyrand, die französische Wissenschaftlerin, unterstützt Inspektor Hailey in diesem Fall. An sich nichts Ungewöhnliches für die mechanisches Frau, doch dieses Mal ist ihre Gefährtin Madame Zaida nicht an ihrer Seite, um sich der Begleiterscheinung übernatürlicher Ereignisse anzunehmen. Anabelle und Hailey können sich nur auf ihre eigenen Fähigkeiten und ihren klaren Verstand verlassen, denn in diesem Mordfall gibt es keine Leiche.

Schaut vorbei, hört euch die Sachen an, denn es lohnt sich wirklich.

Queer.de, Ankündigungen und die Homonale in Wiesbaden


Am 15.12. ging die lang ersehnte und gefürchtete Rezension zu „Der Rebell“ bei Queer.de online. Ersehnt, weil Frank, der Rezensent, auch schon „Glasseelen“ hatte und sehr gut bewertete. Diese Rezension findet ihr bei dem Onlinemagazin Corona in der Ausgabe 292 unter dem Punkt 6 mit dem Titel Buchkritik: „Glasseelen“ von Tanja Meurer.  Deswegen war ich mir gar nicht so sicher, dass Frank den zweiten Band genauso gut bewertet. Einen schwulen Mann als lesbische Frau mit zwei schwulen Hauptcharakteren zu überzeugen ist ganz und gar nicht einfach. Aber offenbar habe ich es geschafft 🙂  Die Rezi von ihm auf Queer.de ist Wahnsinn geworden. Hier könnt ihr sie lesen: Mord, Geister und unzüchtige Gedanken.

Insofern muss ich mich für den Tipp, mich bei Queer.de zu melden, bei Jule und der Verlegerin des Incubus Verlages bedanken. Kira sagte mir, dass sie alle Bücher ihres Verlages dort rezensieren lässt. Was ist auch genialer als das positive Urteil eines schwulen Mannes über mein Buch? Allein deswegen bin ich schon ziemlich auf Wolke sieben 🙂 Oliver kommt allerdings bei allen Rezis gut weg. Er ist offensichtlich ein glaubhafter Mensch. Das ist generell immer das allerschönste Kompliment von allen. Hoffentlich werden damit auch die ganzen anderen Bücher mit all den unterschiedlichen Personen, Genres und Zeitebenen genauso real.

Übrigens am 01.02.2014 und am 02.02.2014 findet in Wiesbaden begleitend zur Homonale, dem traditionell seit 14 Jahren stattfindenden schwullesbischen Filmfestival im Lesecafé Wiesbaden eine schwullesbische Lesung über zwei Tage statt. Autoren wie Sabine Brandl (lesbisch), Conny Reinhardt (lesbisch), Martin Skerhut (schwul), Jannis Plastrgias (schwul), Jana Walther (schwul), Brunhilde Witthaut (schwul), Andrea Conrad (schwul), Yuliya Sokalska (lesbisch), Anna Maske (lesbisch), Chris P. Rolls  und ich werden ihre Romane und Kurzgeschichten vorstellen. Allerdings lesen Chris und ich je aus einem schwulen und einem lesbischen Roman, wobei von meiner Seite erwähnt werden sollte, dass ich aus „Der Rebell“ einen Ausschnitt wähle und aus „Mord ohne Leiche“ (einer der unheimlichen Kriminal-Steampunk-Novellen um Anabelle, Madame Zaida und Jewa). Die Steampunkbücher scheinen nun auch ein Heim zu finden. Bei der Lesung kann ich vielleicht ein paar entsprechende Ankündigungen dazu machen.

Buchtrailer zu „Der Rebell“, dies und das …


Hallo zusammen,

in der letzten Zeit habe ich eher Funkstille gehalten, was nicht zuletzt an meinem Urlaub und der Arbeit lag, unter anderem vieler Zeichenarbeiten (mit denen ich noch immer im Rückstand bin).  Leider hat auch die XTME-Aktion nur wenig gebracht und ich habe eine Weile in den sprichwörtlichen Seilen gehangen. Dafür hat mich die eigentlich sehr erfolgreiche und sehr geniale Lesung auf der YaYuCo in Dachau wieder aufgebaut. Am Samstag den 09.11. durfte ich auf der Con lesen, direkt nach Martin Skerhut, einem wirklich genialen Gay-Autor. Ihr solltet euch mal seine Homepage ansehen und – wenn ihr könnt – eine seiner Lesungen besuchen. Genial 🙂

Weniger schön waren die Arbeiten in der Wohnung meiner verstorbenen Tante. Es ist kein schönes Gefühl, andererseits reist man in die Vergangenheit.

Weswegen ich eigentlich das alles tippsele, Bookshouse hat nun den Trailer zu „Der Rebell“ veröffentlicht. Ihr wisst sicher noch, um was es geht …?

Der 16-jährige Oliver und seine jüngeren Brüder Christian und Michael überleben die schlimmste Nacht ihres Lebens. Ihr Vater ermordet Mutter und weitere Geschwister. Das Motiv scheint auf der Hand zu liegen: Untreue.
Doch Oliver und seine Brüder wollen nicht daran glauben, insbesondere als auf Christian ein Anschlag verübt wird.
Fassungslos über die Tat und die Inaktivität der Polizei, suchen sie auf eigene Faust nach der Wahrheit und stoßen auf einen unheimlichen Gegner. Lediglich der unerfahrene Kommissar Daniel Kuhn steht ihnen bei.

Zur selben Zeit werden mehrere Tote im Haus des einzigen noch lebenden Verwandten entdeckt. Die Leichen liegen bereits seit 70 Jahre dort. Die Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, aber Olivers Neugier ist unstillbar. Er glaubt nicht an Zufälle und findet die Gemeinsamkeiten in beiden Fällen.
Doch ihre Gegner scheinen nicht unter den Lebenden zu weilen.

http://www.youtube.com/watch?v=jhYhxT8jiIw

Sagt mir, was ihr davon haltet. Gefällt er euch? Macht er euch neugierig?

Btw, ich habe zu diesem Buch auch ein paar wirklich schöne Rezis bekommen. Ein besonders tolles Review stammt von Sabine Creutz/ Daisyandbooks. Ein weiteres sehr schönes stammt aus Sandras Feder – Hier. Kathrin hat auch eine sehr schöne Rezi geschrieben. Genauso toll war Kittys – Hier.

Okay, seeeeeehr viele Infos 🙂 Dann viel Spaß (auch beim Stöbern auf den Blogs von Kitty, Sabine und Sandra).

Im Übrigen findet diesen Samstag auf der DreieichCon (einer der berühmtesten und berüchtigtsten Rollenspiel Cons nah Offenbach/ Hessen) eine Reihe von Lesungen statt. Tom Daut, Torsten Low, Juliane Seidel Laura Jane Arnold, André Wiesler, Tom Finn, Bernhard Hennen, Karl-Heinz Witzko, Monika Thamm, Wolfgang Hohlbein und ich sind dabei, alle am Samstag. Hier das Programm.

Meine Lesung beginnt – passend zum Horrorthema – erst um 22:00 h und geht bis 23:00 h. Ich lese im Raum C2. Mehr dazu findet ihr hier. Jule und ich sind aber beide Tage auch als Illustratoren da. Wer uns also treffen will … hier ist eure Chance 🙂

Ganz liebe Grüße

Tanja