Der Rebell


Gerade ist Glasseelen neu erschienen, bald wird es auch wieder den Folgeroman Der Rebell geben. HOMO Littera hat dem Buch (und der ganzen Reihe) ein neues Heim gegeben.

Worum geht es?
Am Ende von Glasseelen erhält Camilla eine Mail von Matthias Habicht, in der er schreibt, dass er grandiosen Mist gebaut hat … hier die Mail:

Hallo Camilla,

ich brauche deine Hilfe. Kennst du den Geschäftsmann Thomas Hoffmann? Wahrscheinlich nicht, oder? Ich würde dich bitten, dass du dich mit ihm oder zumindest mit seinem ältesten Sohn Oliver in Verbindung setzt. Es ist wahnsinnig wichtig. Du kannst damit vielleicht eine Katastrophe verhindern und Leben retten … vielleicht sogar meins.
Sag ihnen, dass am kommenden Wochenende etwas passieren wird, was unabsehbare Folgen hat. Bitte frag nicht, warum, ich werde es dir nicht erklären können, aber es geht um das Leben einer ganzen Familie.

Vielen Dank

Matthias

PS: Camilla, wenn du dachtest, Ancienne Colognes Auswirkungen auf uns alle wären groß gewesen, irrst du dich. Das, woran ich jetzt bin, betrifft auch dich, wenn auch nur am Rande. Bitte hilf mir, bevor ich einen unverzeihlichen Fehler begehe.

Und damit leute ich das zweite Buch ein.

Der Rebell – Klappentext
Olivers Welt bricht zusammen, als sein Vater wie von Sinnen über seine Mutter und seine Geschwister herfällt. Nur Christian und Michael überleben die Mordnacht unbeschadet. Oliver muss nach seinen schweren Verletzungen reanimiert werden. Danach ändert sich seine Realität. Er hat einen Blick hinter den „Spiegel“ geworfen. Obwohl er diese Welt gern ausschließen will, begleitet sie ihn.

Als auf Christian ein Anschlag verübt wird und Michael ihm beteuert, der Angreifer habe sich vor seinen Augen in Luft aufgelöst, und zeitgleich weitere Tote gefunden werden, will Oliver nicht mehr untätig abwarten. Zusammen mit seinem Freund, der jungen Kriminalkommissar Daniel Kuhn, taucht er in die Ermittlungen ein. Gemeinsam setzen sie die einzelnen Fragmente einer Vergangenheit zusammen, deren Auswirkungen die Katastrophen in der Gegenwart begründen.

Und hier bekommt ihr einen kleinen Vorgeschmack auf den 2. Roman:

Ihr hysterisches Lachen endete in ersticktem Röcheln. Die folgende Stille versetzte Oliver in abgrundtiefes Entsetzen. Nur das Geräusch von Metall, das Knochen zersplitterte, drang zu ihm. Das Monster zerfleischte sie. Der Anblick brannte sich in seinen Verstand. Er stöhnte. Seine Knie zitterten, zugleich fühlte sich sein Körper an, als würde Lava durch seine Adern strömen. Mit hämmerndem Herzen kauerte er sich tiefer unter die Anrichte und presste seine Fäuste auf die Ohren. Er biss auf seine Unterlippe und schmeckte Blut. Ihm wurde schwindelig. Mühsam zwang er sich zur Ruhe. Er musste fliehen, die Polizei rufen, doch er konnte sich nicht regen. Alles in ihm wehrte sich gegen den Anblick, die Geräusche und den Geruch. Oliver wagte nicht einmal, ins Wohnzimmer zu spähen. Aber er musste, jetzt sofort, bevor auch er starb.
Vorsichtig sah er über die Küchenplatte. Noch immer rammte dieser Wahnsinnige sein Messer in ihren Leib. Deutlich hörte er, wie die Spitze sich in den Boden bohrte. Der Körper seiner Mutter lag vor der Terrassentür. Ihr Blut tränkte den hellen Teppich. Sein Vater kauerte wie ein Nachtmahr über der Masse aus zerschnittenem Gewebe und zerhackten Knochen. Er hob sich deutlich gegen die hellen Gardinen ab. Schwarzgrauer Dunst kräuselte sich um ihn. Stammte der Rauch von der brennenden Zigarette seiner Mutter?
Oliver reckte sich vorsichtig. Die Schwaden waren zu dunkel. Täuschte er sich? Mit zitternden Fingern klammerte er sich an die Küchenplatte. Er würgte. Sein Vater, oder wer immer dieses Wesen sein mochte, hatte den Verstand verloren. Er war kein Mensch mehr. Als er die Wa?e hochriss, spritzte Blut auf Glas und Gardinen.
Olivers Mageninhalt schoss hoch. Er stieß ein unartikuliertes Geräusch aus und presste die Kiefer aufeinander. Zu spät. Würgend erbrach er sich.
Schwäche breitete sich in ihm auf. Er musste weg, doch seine Muskeln protestierten. Unsicher kroch er aus seinem Versteck, rappelte sich auf und eilte in den Flur hinaus. Flucht war die einzige Chance, wollte er überleben. Obwohl er keine Schuhe trug, kamen ihm seine Schritte viel zu laut vor. Sein Vater würde ihn hören, und er wäre tot, bevor er die Haustür erreichte.
Ein Wutschrei, vermischt mit entsetzlicher Verzweiflung drang aus dem Wohnzimmer. Einen Herzschlag später vernahm er den schweren Gang seines Vaters – er war nicht mehr er selbst, hörte ihm nicht mehr zu. Dem durchtrainierten, cholerischen Mann hatte Oliver auch nichts entgegenzusetzen. Nur Schnelligkeit konnte ihn jetzt retten.
Die Kisten und Ko?er seiner Mutter standen noch im Flur. Seine Flucht wurde zu einem einzigen Ausweichmanöver. Verflucht! Genauso gut hätte der Ausgang einen Kilometer entfernt sein können.
„Olli …“ Die weinerliche Stimme seiner kleinen Schwester drang aus dem ersten Stock.
Elli? Sein Herz verkrampfte sich. Er konnte nicht fortlaufen, solang seine kleinen Geschwister noch im Haus waren. In seiner sinnlosen Raserei kannte sein Vater weder Freund, noch Feind. Er würde vor den Zwillingen und Marc nicht Halt machen, ganz zu schweigen von Elli, die er hasste.
Oliver blickte nach vorne. Ihn trennten noch fünf oder sechs Schritte von der Haustür.
„Olli!“
In Ellis hysterischem Quietschen lag panische Angst, das Entsetzen, das auch er verspürte. Er musste seine Brüder und Elli in Sicherheit bringen. Abrupt änderte er seine Richtung und rutschte weg. Mit rudernden Armen kämpfte er um sein Gleichgewicht und stürzte auf ein Knie. Schmerz zuckte durch sein Bein.
»Chris, Micha …«, keuchte er und sah sich um.
Über den Wohnzimmerteppich huschten bizarre Schatten, schwere Schritte näherten sich. Olivers Herz raste. Hass und Verzweiflung vereinten sich im Gebrüll seines Vaters. Die Stimme klang fremd. Begri? sein Vater, was er getan hatte?
Sicher nicht. Dieses Tier hatte keine Gefühle.
Oliver schauderte. Er versuchte, auf die Füße zu kommen, aber sein verletztes Knie gab unter der Belastung seines Körpers nach. Ein scharfer Stich trieb ihm Tränen in die Augen. Ärgerlich biss er die Zähne zusammen. Beim Boxen hatte er mehr weggesteckt.
Sein Atem stockte. Wie ein gestaltgewordener Albtraum stand Vater im Türrahmen des Wohnzimmers. Die weißen Manschetten an seinem Hemd waren rot. Von seinen Händen troff Blut auf den Boden. Als er die Hand hob, umwehten ihn Rauchschleier.
Plötzlich zuckte der Kopf seines Vaters hoch. Oliver fuhr zusammen und wich zurück. Trocken schluckte er, aber in seiner Kehle saß ein Kloß. Instinktiv drängte er sich in den Schatten zwischen Garderobe und Treppe. Aus phosphoreszierenden Augen starrte Vater in den Flur. Im nächsten Moment verengte er sie zu Schlitzen. Eisiger Schrecken breitete sich in Oliver aus. Hatte das Monster ihn entdeckt? Mit einer geschmeidigen Geste, strich Vater sich durch Bart und Haar. Tränen spülten helle Spuren in den schmierig roten Film auf seiner Wange und verliehen ihm einen maskenhaften Ausdruck. In der Rechten hielt Vater das lange Jagdmesser. Rauch kroch an seinem Arm herab und umwaberte die Klinge. Er schmetterte die Glastür gegen die Wand, tausend Splitter fegten über die Fliesen.
„Vater …“ Oliver wich zur Treppe zurück.
Einen grotesken Moment entspannte sich die maskenhafte Mimik seines Vaters, die entstellten Züge erschla?ten. Es hatte den Anschein, als würde er den Gri? um die Wa?e lockern. Regte sich doch ein Hauch Menschlichkeit in ihm?
„Olli!“, hallte es wieder von oben.
Elli, schweig!, schrie er in Gedanken.
Das Gesicht seines Vaters verzerrte sich erneut. In seinem Blick glomm Erkennen, als hätte er begri?en, was der eigentliche Grund seiner verzehrenden Wut war: Elli!
„Lauf, Elli!“, rief Oliver.
Splitter knirschten unter den Sohlen seines Vaters. Er spürte seine Nerven bis in die Fingerspitzen elektrisieren. Entsetzt fuhr er herum. Abermals explodierte betäubender Schmerz in seinem Knie. Er humpelte, so schnell er konnte, die Stufen hinauf. Die Holzkonstruktion bebte unter ihm.
„Micha, Chris, bringt Elli und Marc raus!“
Geländer und Treppe zitterten.
Vater!
Oliver nahm sich nicht die Zeit, zurückzusehen. »Raus hier!«
Er hörte Ellis hysterisches Weinen. Von den Zwillingen vernahm er keinen Laut. Tränen der Verzweiflung rannen über sein Gesicht. Sein Vater holte ihn unweigerlich ein, und seine Geschwister verließen sich blind auf ihn. Mit beiden Händen zog er sich am Geländer hoch. Die Luft brannte in seinem ausgetrockneten Hals, sengte durch seine Lungen. In einer Seite erwachte stechender Schmerz. Hinter sich hörte er keuchende Atemzüge. Gleich hatte Vater ihn eingeholt.
Oliver versuchte zu rennen, aber sein Bein protestierte. Er presste die Zähne aufeinander und versuchte, es zu ignorieren, da sein Vorsprung schmolz. Das Monster war direkt hinter ihm.
Etwas Kaltes fuhr ihm über Schulter und Rücken. Er hetzte über die letzte Stufe, glitt aus und fiel.
„Scheiße.“
Er rollte zur Seite. Sein Vater war über ihm. Der Dolch kratzte unkontrolliert über das Holz und zog eine tiefe Furche in den Lack. Ohne nachzudenken, riss Oliver seinen Ellbogen hoch, und das Messer polterte ein paar Stufen hinab. Ein brutaler Hieb traf ihn unter dem Auge, sein Kopf schlug hart auf den Boden. Im letzten Augenblick konnte er sich dem Gri? seines Vaters entwinden, rutschte dadurch aber über den Treppenabsatz, dessen Kante sich in seine Wirbel bohrte. Eine Faust traf ihn gegen die Brust und trieb ihm alle Luft aus den Lungen. Lichtblitze zuckten hinter seinen Lidern. Er erwartete die nächsten Schläge, die ihm sämtliche Knochen brechen würden. Doch sie blieben aus.
Die Treppe bebte erneut.
Oliver stemmte sich hoch. Ein paar Stufen unter ihm lauerte sein Vater, sprungbereit, das Messer wieder in der Hand. Ein unmenschliches Grollen drang aus seiner Kehle.
Oliver wollte zurückweichen, aber sein Körper versagte. Das Monster würde von unten zustoßen und ihn vom Bauch bis zur Kehle aufschlitzen. Vater duckte sich bereits wie ein Panther vor dem todbringenden Sprung.
Weg!
Nein, er musste sich wehren, ihn die Stufen hinabstoßen.
Jetzt oder nie.
Oliver klammerte sich an das Geländer und zog die Beine an. In diesem Moment stürzte sich sein Vater auf ihn. Er trat mit aller Kraft zu. Sein Vater stolperte rückwärts, kämpfte um sein Gleichgewicht und stürzte die Treppe hinunter.
Oliver rutschte in den Gang zurück, stemmte sich auf die Füße und lehnte sich zitternd an die Wand. Außer Gefahr waren seine Geschwister und er noch lange nicht. Die Konstitution seines Vaters überstieg seine bei Weitem. Was würde passieren, wenn dieser Irre hier oben ankam? Er wollte sich davon keine Vorstellung machen.
Unter den wuchtigen Tritten seines Vaters bebte die Holz-Stahl-Konstruktion.
Oliver blickte nach unten und fuhr zusammen.
Sein Vater stürmte herauf, die Klinge stoßbereit. In seinen Augen lag nicht das geringste Erkennen.
Olivers Herz zog sich zusammen. Leben oder sterben? Die Antwort stand außer Frage. Er würde nicht kampflos aufgeben.
In direktem Stoß zuckte die Klinge in seine Richtung.
So nicht!
Bei der heftigen Attacke bot ihm sein Vater eine o?ene Angri?sfläche. Oliver stützte sich am Geländer ab, nahm Schwung und rammte ihm erneut beide Füße vor die Brust. Betäubender Schmerz schoss durch Beine und Rücken. Wieder polterte es, als der Irre die Stufen hinabtaumelte. Oliver wurde schwarz vor Augen. Hinter seinen Lidern flimmerte grauer Nebel, der sich kaum wegblinzeln ließ.
Dafür hatte er keine Zeit.
Gott, wenn es dich gibt, hilf uns, bat Oliver stumm.
Angestrengt kniff er die Lider zusammen und zwang seine Erschöpfung zurück. Ihm blieb keine Zeit sich vollständig zu fangen. Als er die Augen öffnete, gewann die Wirklichkeit wieder Konturen. Das Messer hatte eine dunkle Spur kleiner Spritzer auf den Stufen hinterlassen und lag auf weiter unten. Eine Bewegung lenkte Olivers Aufmerksamkeit um. In den Schatten wogten Nebel auf, als sein Vater schwerfällig auf die Füße kam. In seinen Augen funkelte pure Mordlust. Wie Jack Nicholson …
Oliver schluckte trocken und wich einen Schritt zurück, sodass er gegen die Wand stieß.
Der Abstand zu seinem Vater hatte sich erheblich vergrößert, außer Gefahr waren sie dennoch nicht. Er vergeudete wertvolle Zeit!
Hektisch wirbelte Oliver herum und wich in den Flur. Die Kinderzimmertür flog auf und einer der Zwillinge sprang ihm in den Weg.
„Olli?“
Entsetzt zuckte er zurück, bevor er seinen Bruder umrannte. Michael prallte vor ihm zurück und blieb vor Marc und Ellis Tür stehen. Er weinte stumm. In seinen Fingern hielt er einen Schirm, den er als improvisierte Wa?e schwang. Panische Angst flackerte in seinen hellen Augen. Trotzdem sah er Oliver entschlossen entgegen. Unsanft schubste Oliver ihn in sein Zimmer zurück. Gegen das Licht der Straßenbeleuchtung erkannte er die Silhouette Christians, der sich mit einem kleinen Holzhammer bewa?net hatte. Instinktiv sprang er Michael und Oliver an und schlug zu. Es tat nicht weh, trotzdem zuckte Oliver. Aus der Abwehrbewegung stieß Oliver seinem Bruder die Hand vor die Brust. Christian prallte zurück.
„Raus hier!“, brüllte Oliver mit überschnappender Stimme.
Mit Tränen in den Augen und schmerzverzerrtem Gesicht wimmerte Christian. „Olli, was ist los?“
Auf der Treppe hörte er bereits seinen Vater. Unwirsch wies Oliver mit dem Kopf auf das Fenster.
„Klettert auf die Garage! Ich hole Marc und Elli.“
Christians Augen weiteten sich. „Aber …“
Hinter ihnen polterte es im Treppenhaus. Panik rann glühend durch Olivers Adern.
„Flieh mit Micha! Ruft die Polizei!“
Ohne auf eine Antwort zu warten, zog er die Tür des Zimmers hinter sich zu und stürzte in den Nebenraum. Elli kam ihm weinend entgegengelaufen. Sie klammerte sich an ihn. Unsanft befreite er sich und warf hinter sich die Tür ins Schloss. Aus dem Zimmer der Zwillinge hörte er, wie das Fenster geö?net wurde. Schritte im Kies auf der Garage folgten. Einen Augenblick später gellte ein Schmerzensschrei aus dem Garten. Michael begann zu weinen, Christian rief ihm zu und sprang selbst. Als sich die Stimmen der beiden entfernten, atmete Oliver auf. Nun musste er nur noch Marc und Elli nach draußen bringen. Doch bevor er den Gedanken in die Tat umsetzen konnte, prallte sein Vater bereits wieder gegen die Tür. Das Schloss hielt dem ersten Ansturm stand. Ein weiteres Mal würde seinem Vater dieser Fehler aber nicht unterlaufen.
Oliver stemmte sich gegen das Türblatt, und tastete nach dem Schlüssel. Er fehlte. Verdammt …
Hitze und Kälte rannen durch seine Adern. Sein Vater drückte die Klinke hinunter. Wenn er sich dagegenstemmte, waren sie geliefert. So viel Kraft hatte Oliver nicht.
„Nimm Marc und versteck dich!“, hauchte er.
Elli schüttelte vehement den Kopf. Sie krallte sich in seine Hose und rieb ihr fiebriges, feuchtes Gesicht an seinem Bein. Tränen rannen über ihre Wangen. Mit beiden Händen umklammerte sie seinen Oberschenkel.
„Elli, weg!“ Oliver versuchte, sich von ihr zu befreien. Ihm blieb nicht die Zeit, etwas zu unternehmen. Sein Vater warf sich erneut gegen die Tür. Holz splitterte.
Ich bin tot, wir alle sind tot!, schoss es Oliver durch den Kopf.
Die Wucht katapultierte ihn durch den halben Raum. Er riss seine kleine Schwester von den Füßen und begrub sie unter sich. Elli schrie vor Schmerzen und Angst auf. Erschrocken rollte er sich herum und drückte sie von sich aus der Reichweite seines Vaters.
Der Anblick des blutigen Riesen raubte ihm allen Mut. Wie gelähmt starrte er seinen Vater an.
„Nicht! Marc und Elli sind Kinder, du darfst sie nicht töten!“
Doch sein Vater war mit einem Sprung bei ihm. Hart gri? er in Olivers lange Locken und verkrallte sich darin.
„Nicht …“
Stechender Schmerz zuckte durch Olivers Kopfhaut in seinen Nacken. Brutal riss sein Vater ihn herum und stieß ihn gegen Marcs Bettchen.
Nichts geschah. Kein Geschrei von Marc.
Oliver verlor den Gedanken, als er zu Boden fiel. Ihm wurde schwindelig und schlecht. Ein Faustschlag traf ihn zwischen den Schulterblättern. Er hörte seine Knochen brechen, während alle Luft aus seinen Lungen getrieben wurde.
Durch die wirbelnden Nebel seiner Erschöpfung nahm er nur noch wenig wahr. Alle Empfindungen sanken zu einem betäubenden Nichts herab. Elli zerrte an ihm. Das Gefühl versickerte. Heiser weinte sie, schniefte, verstummte …
Warum schrie Marc nicht? Der Gedanke hinterließ eine glühende Spur, die ihn elektrisierte. Trotzdem reichte der Schrecken nicht, dass er sich hochstemmen konnte.
Kleine, heiße Kinderhände suchten nach Halt. Oliver zog Elli eng an sich und krümmte sich zusammen. Sie wagte nicht mehr, irgendeinen Laut zu verursachen. Das bebende heiße Bündel Mensch in seinen Armen war voller Leben und Angst.
Noch.
In der Sekunde drang die Klinge in sein gebrochenes Schulterblatt. Der Schock benebelte seinen Schmerz, nur, um einen Herzschlag später doppelt so stark zu explodieren. Oliver schrie. Es klang fremd in seinen Ohren. Ellis dünnes Weinen setzte ein, mischte sich in seine Stimme. Keuchend vergrub er das Gesicht in ihrem Haar, vor seinen Augen tanzten Blitze, etwas rauschte. War das sein eigenes Blut in den Ohren? Das Geräusch war so laut, dass es Elli übertönte und ihn in einen grauen Strudel aus Erinnerungslosigkeit zu reißen drohte.
Elli, kleine Elli …
Sein Vater zerrte ihn an den Haaren hoch. Der Schrei seiner Schwester drang tief in sein Herz. Oliver klammerte sich an sie.
Wieder erinnerte er sich an Marc. Sein jüngster Bruder lag vollkommen ungeschützt in seinem Bett. Er wäre ein leichtes Opfer.
Blindlings tastete Oliver tastete nach ihm. Seine Finger umklammerten das Holzgitter und berührten Marcs winzige Füße. Der Kleine war ihm so nah, zugleich aber unendlich weit entfernt. Er erschrak über die Bewegungslosigkeit seines Bruders. Warum schrie Marc nicht? Warum strampelte er nicht?
Tot …
Oliver konnte den Gedanken nicht festhalten. Instinkte verdrängten den Verstand.
Fort.
In einem letzten Aufbäumen warf er sich nach vorne. Er spürte, wie ihm sein Vater dadurch die Haare büschelweise ausriss. Dumpf und fern fühlte sich der Schmerz an – fremd. Er fiel hart zu Boden, wobei er den weichen Körper Ellis unter sich begrub. Seine Schwester keuchte atemlos und weinte nun ungehemmt. Er hörte schwach ihren rasselnden Atem.
Mit ihren kleinen Ärmchen kämpfte sie gegen sein erdrückendes Gewicht an. Mühsam zog er die Beine an den Leib. Es kostete ihn unendlich viel Kraft, aber sie bekam dadurch etwas mehr Freiraum.
Das Messer traf ihn wieder, aber nicht tief. Sein Vater zog es aus seinem Körper. Eine Woge betäubender Erleichterung raste durch seinen Verstand, nur um erneut in Agonie zu explodieren, als die Klinge wieder in ihn eindrang, wieder und immer wieder.
Oliver glaubte, die Schmerzwellen zu fühlen, die durch seine Nerven bis in seine Fingerspitzen schossen. Seine Welt versank in blutigen Schleiern und panischer Angst, während er Elli unter sich barg. All seine Empfindungen stumpften ab. Der letzte Gedanke galt seinem Vater: Warum?

Gefallen? Mehr gibt es im Winter 2017 / 2018.

 

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Letzter Tag für die Gewinnteilnahme


Am 24.11. endete die Blogtour zu „Glasseelen“, aber um sich für die Gewinnteilnahme zu qualifizieren, habt ihr heute noch den ganzen Tag. Über die Seite von der Netzagentur Bookmark kommt ihr an den Blog-Verteiler. Dort gibt es zu jedem Beitrag eine Frage. Wenn ihr darauf antwortet, habt ihr die Möglichkeit an der Verlosung teilzunehmen.

Bist-du-bereit-für-Glasseelen-

Die teilnehmenden Blogs haben interessante Themen herausgegriffen:

Manjas Buchregal – 20.11. Vorstellung und Rezension zu „Glasseelen“
Was sich hierunter verbirgt, steht wahrscheinlich außer Frage 😉

Claudis Gedankenwelt – 21.11. Wie erkennt man einen Serienkiller?
Dieser Artikel greift nicht nur ein paar besondere Beispiele von Serienkillern auf, sondern beleuchtet auch einen Ausschnitt der besonderer Merkmale, die einen Serienmörder grundlegend auszeichnen.

Sunnys Lesewelt – 22.11. Interview mit Tanja Meurer
Auch dieser Artikel ist selbsterklärend, aber hier konnte ich mal wieder ein wenig Selbstdarsteller spielen, und es hat Spaß gemacht 🙂

Nadines Bücherwelt – 23.11. E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“
Das Nachtstück „Der Sandmann“ lag dem Buch „Glasseelen“ in erster Linie zu Grunde, E.T.A. Hoffmann allein, war der Grund, warum ich so und in dieser Form geschrieben habe. Nadine führt hier in die Novelle um den Sandmann ein.

Vampirwaschbärs Wahnsinn – 24.11. Berlin als Buchkulisse
Die Besonderheit an diesem Artikel ist, dass Meike sich die Mühe gemacht hat, tatsächlich alle real existenten Locations abzulaufen und zu fotografieren. Sie hätte sogar die Gänge unter der Charité besuchen können, wenn die das dafür verantwortliche Büro offen gehabt hätte.

Gewinne:
Platz 1: Glasseelen, Seelenlosen und Schweiß und Blut
Platz 2: Glasseelen und Seelenlosen
Platz 3: Glasseelen
Alle Gewinne werden mit Goodies verschickt (u.a. mit selbstgemachtem, steampunkigem Metall Lesezeichen)

Ganz persönlich und privat
Über die Blogtour habe ich die meisten Bloggerinnen kennen lernen dürfen. Manja kannte ich schon vorher – durch Bookshouse – und habe sie immer unheimlich gemocht. In der vergangenen Woche habe ich auch die Möglichkeit gehabt, Claudia (deren Artikel ja zu 100% mein Hobby Kriminalistik / Kriminalhistorik bedient hat), Susann (mit ihrem lieben Interview und ihrer so herzlichen Art) und Meike (die als Berlinerin nicht nur ein sehr gutes Gesamtbild zu dem Roman geschaffen hat, sondern persönlich auch ein genauso großer Filmfan ist wie ich) kennen zu lernen. Durch das Quatschen über Facebook, per Mail und im Chat sind mir diese drei ziemlich an Herz gewachsen.

Darüber hinaus …
gibt es nun das eBook, leider noch in der fehlerhaften Version. Dank meiner ehemaligen Kollegin Nathalie und Meike, habe ich nun ein ziemlich sauberes Manuskript. Ich muss nur noch die Zeit finden, zusammen mit meiner Frau Juliane alles in der ODT-Datei für das eBook geradezubiegen und für ein Update fertigzumachen 😉

Bücher, Bücher, Bücher, …


Von meiner Seite gibt es sehr gute Nachrichten zu meinen Projekten. Die Romane Glasseelen, Der Rebell und Die Seelenlosen – Die Stadt der Maschinenmagie haben neue Verlage gefunden 🙂 Aber nun der Reihe nach.

Die Seelenlosen sind ab sofort bei DeadSoft untergekommen und werden dort auch weiterveröffentlicht. Ihr könnt die Bücher also sehr schnell wieder über Simon Rhys Beck erhalten. Das bedeutet auch, dass der zweite Band bald zu lesen sein wird.

Klappentext Die Seelenlosen:
Valvermont war einst die Heimat des Kriegsveteranen Gwenael Chabod, der zum Commandanten über die Garnisonen der Stadt berufen wird. Sein Geliebter Orin – ein ehrwürdiger Priester orcischer Abstammung – ist an seiner Seite, als sich vor Gwenaels Augen ein Mann in eine seelenlose Kreatur verwandelt.
KurCoverz darauf wird eine junge Frau getötet. Einziger Augenzeuge ist der Dieb Jaleel. Sein Bericht deckt Grauenvolles auf – und bringt sein eigenes Leben in Gefahr.
Gemeinsam mit neuen Freunden und Verbündeten jagt Gwenael den finsteren Geist, der von Valvermont Besitz ergriffen hat. Nicht ahnend, wie nah ihm die Dunkelheit bereits ist.
Ein Roman aus einer fantastischen Welt, die die ersten vorsichtigen Schritte in Richtung Moderne wagt. Umgeben von dampfbetriebenen Maschinen, mächtigen Magiern und einem undurchsichtigen Stadtoberhaupt muss Gwenael sich fragen, wem er trauen kann, wer seine Freunde sind, wer ihn liebt und welche düsteren Geheimnisse die Villa seiner Familie birgt.

Hier noch ein kleiner Vorgeschmack auf Band 2 (Vorsicht, Spoiler!):
Hinter den Mauern der ausgebrannten Anstalt Jarvaise lauert die Finsternis und unter der Stadt schlägt ihr mechanisches Herz. Jaleel, Gwenael und seine Schwester Desirée begegnen dem Ursprung der Experimente um Stahl und Lebensenergie: Jarvaise Cordellier, einem Leichnam, der von seiner Tochter Gaëlle durch gestohlene Seelenkraft am Leben erhalten wird. Aber der Tod von Jarvaise und seiner Tochter ist nicht das Ende. Gaëlles Netzwerk ist weitreichend. Weiterhin sterben Menschen und Valvermont wird binnen einer Nacht von Fleischpuppen überrannt. Gwenael weiß, dass er mit seinen Gefährten gegen die Zeit arbeitet, denn die Maschinerie unter der Stadt hat sich verselbstständigt und das dunkle Herz beginnt wieder zu schlagen.

Glasseelen kommt im Mai 2017 bei der Edition Roter Drache heraus und wird noch einmal gründlich überarbeitet. Das bedeutet, dass der Roman in neuem Outfit und einigen Änderungen zu euch kommt, freut euch also auf Steampunk in der Gegenwart, Msytery und Krimi – alle in Berlin 😉 Und ich bin schon jetzt auf das neue (vielleicht besser passende) Cover gespannt.

Klappentext Glasseelen:
Für die 19-jährige Camilla und ihre Freundin Theresa endet ein Museumsausflug mit einem Schock. Ein Mann stürzt sich vor ihren Füßen zu Tode.

Glasseelen - Schattengrenzen I

Seine Augen lösen sich in Staub auf, aus seiner Hand rollen blutige Augäpfel. Steht der Suizid in Zusammenhang mit einem wahnsinnigen Mörder, der sein Unwesen in Berlin treibt? Bereits mehrere junge Frauen sind ihm zum Opfer gefallen. Die verstümmelten Leichen verbindet ein grausiges Merkmal: herausgeschnittene Augen. Obwohl sich Camilla und Theresa unter der Betreuung einer Psychotherapeutin und der Polizei in Sicherheit wähnen, nimmt der Serienkiller sie ins Visier. Von Panik getrieben gerät Camilla in die Unterwelt der Hauptstadt und stößt auf rätselhafte Menschen. Können der greise Amadeo oder der attraktive Chris sie vor ihrem fanatischen Verfolger retten? Mit dem Namen „Sandmann“ gibt Chris ihr einen entscheidenden Hinweis, doch der Killer ist nicht leicht zu überlisten. Um seinen Attacken zu entkommen, muss sich Camilla nicht nur ihrem Peiniger stellen. Sie entdeckt eine übersinnliche Fähigkeit, die vielleicht besser im Verborgenen geblieben wäre …

Der Rebell ist zwar noch immer Teil der Reihe und kommt direkt im Anschluss an Glasseelen, aber der Verlag ist ein anderer: HOMO Littera. Das Buch erscheint im Frühjahr / Früh-Sommer 2017. Bei HOMO Littera kommen alle weiteren Romane um Oliver, Daniel und Co. heraus. Zu diesem Buch gibt es auch schon die erste Auswahl zu em neuen Cover. Der Kleine passt einfach perfekt, viel besser als das alte, aussagefreie Cover 🙂

Klappentext Der Rebell:
Der 16-jährige Oliver und seine jüngeren Brüder Christian und Michael überleben die schlimmste Nacht ihres Lebens. Ihr Vater ermordet Mutter und weitere Geschwister. Das Motiv scheint auf der Hand zu liegen: Untreue.
Doch Oliver undDer Rebell seine Brüder wollen nicht daran glauben, insbesondere als auf Christian ein Anschlag verübt wird. Fassungslos über die Tat und die Inaktivität der Polizei, suchen sie auf eigene Faust nach der Wahrheit und stoßen auf einen unheimlichen Gegner. Lediglich der unerfahrene Kommissar Daniel Kuhn steht ihnen bei.

Zur selben Zeit werden mehrere Tote im Haus des einzigen noch lebenden Verwandten entdeckt. Die Leichen liegen bereits seit 70 Jahre dort. Die Fälle scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, aber Olivers Neugier ist unstillbar. Er glaubt nicht an Zufälle und findet die Gemeinsamkeiten in beiden Fällen.
Doch ihre Gegner scheinen nicht unter den Lebenden zu weilen.

Hier bekommt ihr noch einen Eindruck über die Bildauswahl für das neue Cover zu Der Rebell 🙂

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Der zweite Band wird im Übrigen den Titel Hass tragen … und damit ist die Geschichte von Oliver und Daniel noch lange nicht beendet 🙂

Die Seelenlosen – Rezensionen


Cover

Valvermont war einst die Heimat des Kriegsveteranen Gwenael Chabod, der zum Commandanten über die Garnisonen der Stadt berufen wird. Sein Geliebter Orin – ein ehrwürdiger Priester orcischer Abstammung – ist an seiner Seite, als sich vor Gwenaels Augen ein Mann in eine seelenlose Kreatur verwandelt.
Kurz darauf wird eine junge Frau getötet. Einziger Augenzeuge ist der Dieb Jaleel. Sein Bericht deckt Grauenvolles auf – und bringt sein eigenes Leben in Gefahr.
Gemeinsam mit neuen Freunden und Verbündeten jagt Gwenael den finsteren Geist, der von Valvermont Besitz ergriffen hat. Nicht ahnend, wie nah ihm die Dunkelheit bereits ist.

Hier sind einige der genialsten Rezensionen zu meinem Buch 🙂

Online-Magazine:

QUEER.de – Rezensent Frank Hebenstreit

Inqueery.de – Rezensent Frank Hebenstreit

Zauberwelten – Christina Löw

Blogs:

NEU Literatopia – Judith Madera

Like a Dream – Rezensentin Juliane Seidel

Bücherwesen – Rezensent Michael Wastelhuber

Phantastik-News – Rezensent Carsten Kuhr

Pressenet – Rezensent Winfierd Brumma

Jules‘ bunte Welt der Bücher – Rezensent Jules Bauernfeind

Kittys Bücherblog – Rezensentin Katharina Schardt

Sarnakai – Welt der Bücher – Rezensentin Sabrina Pommer

Claudias Bücher-Welt – Rezensentin Claudia S.

Weltbundmalende Bücher – J. Gaillard

Tapsis Bücherblog – Denise

Amazon-Rezensionen

5 Sterne *****

NEU Coala

NEU AmberStClair

NEU Jasmin Morawe

NEU Luna

NEU

Claudia

Jamamashid

Jana Klimke

Kitty411

Koriko

Bücherwesen

Mamarna64

4 Sterne ****

NEU Cadness

NEU LiberteToujours

NEU Buchkatze

Logan Lady

cd

3 Sterne ***

Weltbuntmalendebücher

Eisnacht – eine Kurzgeschichte zu „Der Rebell“

Oliver

Hier wieder mal was Unheimliches zu Ollis Erbe – der Buchhandlung, dem Archiv und dem alten Mietshaus im Wiesbadener Rheingau-Viertel …

Eisnacht

Fahles Laternenlicht zerfaserte. Eisige Nebel hingen in den Straßen, zwischen den Häusern und dämpften jeden Laut auf ein unwirkliches Echo herab. Der Asphalt war glatt.

Durch die drückende Atmosphäre roch die Luft nach Abgasen. Unter den Gestank mischte sich der Duft nach Gebäck, Tannennadeln und Harz.

Oliver zog seinen Rollkragen aus der schäbigen Lederjacke und vergrub sich darin. Sein warmer Atem und der hautwarme Wollstoff vermittelten ihm den trügerischen Eindruck, nicht mehr so stark zu frieren. Seine Häsin Opa krallte sich unter Pulli und Jacke fest. Die Wärme des Tieres tat gut. Trotz allem wollte Oliver so schnell wie möglich wieder in seine beheizte Buchhandlung zurück. Unter seinem Arm klemmten mehrere schwere Lederfolianten, gründlich eingepackt, die er vom Restaurator abgeholt hatte. In Gedanken befand er sich bereits zu Hause. Die überfüllte Innenstadt verdeutlichte ihm, dass man in der Vorweihnachtszeit eher Zeit mit Familie und Freunden verbringen sollte.

Geiler Kommerz, dachte er verärgert.

Er sehnte sich nach einer heißen Dusche oder einem Bad. Der Gedankengang aufzutauen, war verlockend. Leider ging die Arbeit vor.

Mit weit ausgreifenden Schritten eilte er durch die Straßen. Er ignorierte die erleuchteten Schaufenster und die geschmückten Häuser.

Weihnachten? Ein Fest für Weicheier!

Als er endlich die Haustüre hinter sich ins Schloss drückte, fror er in dem Hausflur nur noch mehr. Die Wände atmeten Kälte aus. Es lag nicht an dem Winterwetter, sondern an dem bohrenden Gefühl, aus verschiedenen Richtungen beobachtet zu werden. Die Schatten dehnten und wanden sich vor seinen Augen. An manchen Stellen, direkt unter der Treppe, jenseits des Windfangs, ballten sie sich.

Zuckte dort nicht der konturlose Schädel eines Wächters? Oliver ballte die Fäuste. Unter seiner Jacke strampelte Opa. Sie spürte ihre Anwesenheit ebenfalls.

„Beruhig’ dich, Dicke.“ Seine Stimme bebte. Trotz allem fehlte das Gefühl wirklicher Angst. In all den Jahren, die er und seine beiden jüngeren Brüder hier lebten und arbeiteten, hatte er sich an die permanente Anwesenheit von Geistern gewöhnt. Aber er verabscheute die Wächter. Obwohl er sie nicht deutlich ausmachen konnte, spürte er die gesichtslosen Geisterfresser. Einer der Verdammten musste ihnen aus ihrer grell weißen Welt entkommen sein.

Opa strampelte heftiger. Mit einer Hand strich er über die zappelnde Beule in seiner Jacke. Das Tier beruhigte sich widerwillig. Sie fürchtete sich. Schaudernd tastete er nach dem Lichtschalter. In diesem verrotteten, alten Geisterhaus konnte einfach niemand leben.

Licht flutete die steilen Treppen. Tatsächlich kauerte ein Wächter unter der Treppe, auf der Rückseite seines Geschäftes. Das Wesen war außergewöhnlich klein. Oliver kannte drei bis vier Meter große Wächter. Trotz allem verlor das Geschöpf nichts von seiner Bedrohlichkeit. Der augenlose Schädel pendelte auf dem zwei Meter langen, dünnen Hals. Aus den ausgerissenen Winkeln seines Maules troff Speichel.

Es klaffte auf. Die fingerlangen, spitze Zähne riefen in Oliver unangenehme Erinnerungen wach. Diese Wesen jagten und fraßen Geister, die sich nicht an die Grenzen der hoffnungslose Spiegelwelt hielten und ausbrachen. Ihm war klar, dass die Wächter keine helfenden, freundlichen Geschöpfe hinter den Spiegeln fest hielten. Das, was sich dort verbarg, waren Monster.

Der massige Leib senkte sich, als der Wächter sich auf seine vergleichsweise kurzen, muskulösen Hinterbeine setzte, um sich vorne auf den doppelt so langen Vorderläufen abzustützen. Der Anblick erinnerte Oliver an eine groteske Mischung aus einem Dinosaurier und einem besonders hässlichen Hund.

„Was willst du?“ Oliver sah den Wächter herausfordernd an.

Ein tiefes Grollen drang aus der Kehle des Wesens.

Mit einigen Sätzen stand Oliver auf gleicher Höhe. Der Kopf des Wächters zuckte zu ihm. Fauliger Atem schlug Oliver ins Gesicht. Er wendete sich kurz ab. Der lange Hals reckte sich um ihn herum. Es schien fast, als suche der Wächter nach Olivers Aufmerksamkeit.

„Was willst du?“

Von dem Monster kam keine Reaktion. Lediglich sein abstoßender, flacher Schädel rückte näher.

„Wo bleibt deine Empathie? Sonst seid ihr doch auch hervorragend darin, mir den Kopf mit eurem bescheuerten Gedankengut zu füllen.“

Das Wesen reagierte nicht. Oliver umging den Wächter. Ihm war bewusst, dass mit dem Wächter irgendetwas nicht stimmte. Das Ding war nicht nennenswert größer als er selbst. Es zwang ihm auch keine Gefühle und Eindrücke auf, wie seine größeren Artgenossen. Kopfschüttelnd schloss er die Hintertüre des Ladens auf und öffnete den Stromkasten, um die Hauptsicherung einzudrehen. Die gelben Lampen flackerten, bevor sie wieder ausgingen.

„Scheiße!“ Oliver versetzte dem Kasten einen Schlag. Er legte die Bucher auf den Boden. Opa wurde bei der Bewegung zusammengestaucht und zappelte verärgert. Entnervt öffnete er den Reisverschluss und die Hüftschnallen, damit sie frei im Geschäft herumhoppeln konnte. Die massige Stallhäsin sprang mit einem weiten Satz auf den Boden und schlidderte auf den gebohnerten Dielen bis an die Kante zu den Stufen in das Ladenlokal. Nachdem sie sich gefangen hatte, klopfte sie mit ihren kräftigen Hinterläufen mehrfach aufgebracht und klapperte beleidigt mit ihren Zähnen. Er beobachtete, wie sie aus dem Lichtkegel des Treppenhauses, zwischen den Buchregalen verschwand. Ein unförmiger Schatten fiel auf den Boden. Feuchtheißer Atem schlug ihm in den Nacken. Er fuhr herum. Der Wächter kauerte auf der Schwelle. Sein Kopf pendelte keine Hand breit vor Olivers Gesicht.

Sein Magen verkrampfte sich. Ihm wurde schlecht. Zugleich ballte sich Wut in ihm.

„Verpiss dich!“ Er stieß den Kopf des Wächters mit der Hand zurück. Unbeeindruckt blieb das Wesen hocken.

„Bist du ein Hund?“, fragte Oliver entnervt. Er wandte sich kopfschüttelnd ab. Mit flinken Fingern drehte er eine Ersatzsicherung in den Kasten.

Das Licht flackerte. Unter der Decke entflammten mehrere archaische Kristalllampen. Oliver atmete auf.

Ohne dem Wächter weitere Beachtung zu schenken, hob er die Bücher auf.

Er warf er Jacke und Mütze auf den Tresen. Mit beiden Händen fuhr er sich durch den Iro.

Dielen knarrten. Erschrocken sah er sich um. Der Wächter blieb stehen.

„Was willst du nur?“

Erneut blieb der Wächter stehen. Ohne es begründen zu können, empfand er das Monster als vollkommen ungefährlich. Die Reaktion seiner Häsin sprach eigentlich dagegen. Opas Instinkt war ein untrüglicher Indikator für Gefahren.

Der Wächter reckte sich. Sein Maul klaffte auf. Aus den Tiefen seines Halses drang dumpfes Grollen. Speichel troff zu Boden. Trotz allem ging sein Augenloser Blick weit an Oliver vorbei.

„Was …“

Das Gefühl, nicht mehr allein zu sein, erfüllte ihn. Ein eisiger Hauch strich über seinen Rücken. Sofort begann er wieder zu frösteln. Die Härchen auf seinen Armen elektrisiert. Er kannte das Gefühl. Geistererscheinungen kündigten sich so an.

Langsam wandte er sich um. In der Mitte des Ladens stand ein kleines, zierliches, vielleicht fünfjähriges Mädchen, dessen dunkle Locken von einer schäbigen Schleife aus dem Gesicht gebunden wurden. Sie trug wollene Strümpfe und ein mattrotes Kleid. Über dem Die Armbinde mit dem Davidsstern zeichnete sie als Jüdin aus.

„Ruth?“ Obwohl er es nicht wollte, zuckte Oliver zusammen. Ungläubig starrte er seine kleine Geisterfreundin an. Bislang begleitete sie nie diese Todeskälte.

Im gleichen Moment schalt er sich einen Narren. Ruth war kein böses Geschöpf.

Ihre ewig verweinten Augen gaben ihr den Anschein verloren zu sein. Trotz allem lag erwachsener Ernst in ihrem Blick.

Der Wächter grollte immer noch hinter ihm.

„Ach, gib Ruhe!“ Er sah sich nicht zu dem Wesen um. Eilig trat er um den Tresen herum und setzte sich auf die Stufen.

„Was ist, Ruth?“

Sie erwiderte einen Moment seinen Blick und zögerte. „Der Wächter ist nicht wegen mir hier.“ Ihre erwachsene Stimme passte nicht zu dem Kinderkörper. „Ich weiß nicht, wer ausgebrochen ist, aber …“ Sie unterbrach sich, als würde sie lauschen. Das Grollen des Wächters nahm zu. Oliver sah über die Schulter. Das graue Monster schien sich aufzublähen. Kopf und Körper gewannen ständig an Masse. Binnen Sekunden füllte das Ding den schmalen Flur fast aus. An seinen Fängen troff grünlicher Schleim herab. Eine Woge unidentifizierbarer, bizarrer Gedanken drang in Oliver ein. Gefühle, die nichts Menschliches an sich hatten, durchdrangen seine Seele. Spinnfinger griffen in sein Wesen ein, zerrten alle Empfindungen hervor und wirbelten sie durcheinander. Tausend Stimmen explodierten in grellem Kreischen. Weißes Licht flackerte vor seinen Augen. Der antike Buchladen umriss sich scharf in schwarzen Schlagschatten: die Welt hinter den Spiegeln. Es tat weh. Oliver presste die Kiefer aufeinander. Er glaubte den Verstand zu verlieren. Sein Körper wurde von dem Wächter ausgehöhlt. Schwäche ergriff ihn. Er sackte bebend in sich zusammen.

Genauso brutal, wie der Wächter sich mit ihm verband, zog er sich auch zurück. Von einem Moment zum nächsten herrschte vollkommene Stille. Die Leere, die das Wesen zurückgelassen hatte, breitete sich in Eisnebeln aus.

Obwohl er den Laden sah, fühlte Oliver sich blind. Ein hoher, pfeifender Ton in seinem Innenohr signalisierte ihm, dass er wieder zu sich kam. Mühsam schüttelte er die Taubheit ab …

Schmerz durchzuckte ihn, als Opa ihre langen Nagezähne in seinen Finger rammte.

„Spinnst du?!“ Er zog die Hand weg und schob seine Häsin mit dem Stiefel zur Seite. Opa ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie sprang über die Stahlkappe hinweg und hockte sich zwischen seine Beine.

Oliver wich ihrem vorwurfsvollen Blick aus. Ruth stand nur einen Schritt von ihm entfernt. In ihren Augen glomm tief rotes Feuer. Ihre Lippen bebten vor Anstrengung. Hatte sie den Wächter etwa zurück gedrängt?

Ein formloser, heißer Leib berührte Olivers Rücken. Er fuhr herum. Der Wächter drängte sich an ihn. Weit über Oliver pendelte der Schädel. Er folgte der Richtung, in die das Wesen spähte.

Aus einer Ecke zwischen den Buchregalen wehte kalter Nebel in den Raum. Die Temperatur sank deutlich. Eine mächtige, böse Entität befand sich hier. Eiskristalle flirrten zu Boden. Schauer rannen über seinen Rücken. Die feinen Härchen auf seinen Armen richteten sich auf. Sein Atem kondensierte vor seinen Lippen. Trotzdem er fror, rann Schweiß über seine Schläfen. Irgendetwas Unvorstellbares kam.

Oliver sprang wütend auf. Etwas Vergleichbares war in all den Jahren, die er seit dem Selbstmord seines Großvaters hier lebte, nicht einmal passiert.

Opa zog sich zähneklappernd hinter ihn zurück, während der Wächter die Stufen hinab sprang. Ruth wich ihm in letzter Sekunde aus.

Sein Massiger Leib duckte sich zu Boden. Er zog den Hals an und wartete. Seine Klauen fetzten Splitter aus dem Holz. Er schien zu lauern.

„Was ist das, Ruth?“

Dicht neben Oliver materialisierte ihre Gestalt. Sie antwortete nicht, spannte sich aber.

Oliver musste wissen, was geschah. Er löste sich von ihrer Seite und spähte in den Gang zwischen den Regalen. Eis überzog Schaufenster, Boden und Bücher. Schemen zuckten über die sonst so staubige Scheibe. Die Buchhandlung wurde gespiegelt. Allerdings sah sich Oliver nicht in der Reflektion. An seiner Stelle stand ein ihm vertrauter Mann, sein Großvater.

Die grausamen, verfallenen Züge brannten sich in Olivers Verstand. Der Alte erinnerte an eine bizarre Karikatur eines Menschen. Alle negativen Emotionen hatten sich in die Mimik um den lippenlosen Mund gegraben. Helle, fast blinde Augen starrten aus tiefen Höhlen. Die Pergamenthaut riss bereits über den hohen Wangenknochen und dem massiven Kiefer. Der Geist entblößte Ruinen gelber Zähne, die kaum noch in den Resten des einst rosigen Gewebes saßen. Aus seinem Mund wand sich ein Klumpen schleimigen Fleisches.

Der Alte umklammerte mit beiden Armen Bücher. Aus den alten Werken troff Blut auf die Dielen.

Oliver stöhnte gequält auf. Einen Herzschlag später brach grell weißes Licht aus der Scheibe. Die Welt um ihn gerann zu flackernder Helligkeit. Zeitgleich verschob sich der Raum. Er war dem Geist nah genug, um ihn berühren zu können. Mit einem Satz brachte er Abstand zwischen sich und seinen Großvater.

Wo waren der Wächter, Opa und Ruth?

Olivers Blick irrte durch den verzerrten Innenraum des Ladens. Nichts, niemand. Er war mit seinem Großvater allein. Wütend knirschte er mit den Zähnen.

Der Alte umklammerte die Bücher. Sein Maul verzog sich zu einem grotesken Grinsen.

„Dein Leben für meine Freiheit!“

Seine Stimme klang wie Fingernägel auf einer Tafel. Oliver überlief eine Gänsehaut. Tief in seinem Herz bohrte Angst. Er kannte die Welt hinter den Spiegeln, schließlich war er schon einmal gestorben und wurde zurückgeholt. Wahrscheinlich hatte dieses Erlebnis seinen Geist für die Ebene der Toten sensibilisiert. Innerlich gefror er. Dieser Ort war erbarmungslos. Die Sünden, die im Leben begangen würden, geißelten die Seele auf ewig.

Er atmete tief durch. „Glaubst du wirklich, dass ich dabei mitmache?“ Er schüttelte den Kopf. „Vergiss es!“

Der Alte ließ die Bücher zu Boden gleiten. Zwei von ihnen schlugen an willkürlichen Stellen auf.

„Alles, was ich aufgebaut habe, vernichtest du!“ Der alte Mann ballte die Fäuste. Oliver spannte sich. Das Licht brannte in seinen Augen. Er musste sich beherrschen, nicht zu blinzeln. Schleichende Ermattung ergriff ihn. Lebenskraft floss aus ihm heraus. Er musste etwas unternehmen. Mühsam sammelte er Kraft.

Waren Geister für ihn nicht stofflich?

„Der Schatz, den ich zusammengetragen habe …“

Ohne Vorwarnung rammte er seinem Großvater die Faust gegen den Kehlkopf. Der Alte brach keuchend in sich zusammen.

„Was soll der Scheiß! Du hast dir das Leben genommen, du elender Feigling. Ansprüche kannst du gar keine mehr anmelden!“

Wütend drückte er den alten Mann nieder. „Was hast du getan, um an alte Bücher zu kommen?!“

Röcheln antwortete ihm. Oliver lockerte seinen Griff. „Was wirfst du mir vor?!“

Der Alte schlug seine Hand fort. „Skrupel!“ Seine gesplitterten, nikotingelben Klauen schossen vor. Oliver sprang zurück. Trotz seiner Reaktionsschnelle zogen die Nägel brennende Spuren über seine Brust.

Seine Energie ließ nun rapide nach. Keuchend trat er nach seinem Großvater, der wieder auf die Beine kam. Er hörte ein ungesundes Knacken in den morschen Knochen, als er mit dem Stiefel Schienbein und Knie traf.

Der Alte schrie.

Wie lang sollte dieser Kampf noch gehen? Mühsam richtete Oliver sich auf. Er musste diesen Ort verlassen, bevor seine Lebensenergie sich in der Welt hinter den Spiegeln verteilte.

Taumelnd drehte er sich im Kreis. Wo befand sich das Portal?

Die blendende Helligkeit war das Einzige, was er sah.

Rasch drehte er sich zu dem Alten um.

Sein Großvater hatte sich aufgerichtet. Er presste die Bücher wieder an sich. „Mein Leben …!“

Wie eine Katze sprang der Alte ihn an. Schmerzen empfand er keine mehr.

Oliver wankte zur Seite. Sein Gleichgewicht setzte aus. Für einen furchtbaren Moment wusste er, dass sein Großvater gewonnen hatte. In der gleichen Sekunde löste sich etwas in seinem Verstand. Plötzlich sah er die Welt anders, klarer. Stimmen flirrten um ihn herum. Tiefe, dunkle Gefühle fluteten seine Seele. Vollkommen neue, monströse Stärke rann durch seinen Körper. Er wusste unumstößlich, dass etwas Unmenschliches von ihm Besitz ergriffen hatte. Der Gedankengang ging so schnell, wie er kam. Einen Augenblick lang kannte er sogar die Antwort auf seine Fragen. Als die Klauen seines Großvaters in seine Brust drangen, verwischten die Eindrücke.

Es tat nicht weh. Er starb nicht … Die Arme des Alten steckten bis zu den Ellbogen in seinem Körper. Der Blick der hellen Augen wechselte von Triumph zu Entsetzen.

Oliver spürte, wie er die Macht über seine Handlungen verlor. Ein anderes Bewusstsein nistete sich ein, beherrschte ihn. Mit aller Kraft versuchte er den Eindringling zurück zu drängen. Ein stechender Schmerz in seinen Schläfen ließ ihn zusammen zucken. Er hörte das Grollen des Wächters in seinen Gedanken.

Gib nach!

„Nein!“

Wir sterben.

„Nie!“

Er ist ein Mörder.

„Ich …“ Oliver wurde schlecht. Er wusste, dass sein Großvater getötet hatte. Ihm fiel es immer schwerer, dem Bewusstsein des Wächters Stand zu halten.

Er hat seinen Schatz mit Leben erkauft.

Obwohl ihm das keine Neuigkeit war, erschütterte ihn diese Wahrheit. Der Wächter nutzte seine Chance. Von einer Sekunde zur nächsten zwang ihn das Wesen in die Position des Beobachters. Oliver war nicht mehr Herr seines Körpers …

Sein Kopf zuckte gegen die Kehle seines Großvaters. Ein schwacher Hauch Entsetzen berührte sein Herz, bevor sich seine Zähne in die Kehle des Geistes schlugen und sie heraus rissen.

Bebend starrte Oliver auf seine Brust. Nichts. Dort, wo der Geist gestanden hatte, lagen nur ein paar Bücher, die vom Auslagentisch heruntergefallen waren. Das warme Licht der Kristalllampen umfing ihn. Er befand sich wieder in der Realität. Mit einem Blick über die Schulter vergewisserte er sich, dass der Wächter diese Ebene verlassen hatte. Ruth hockte auf den Stufen, Opa neben sich. Ihre Augen schimmerten feucht. Zum ersten Mal sah er sie weinen.

„Was ist denn, Kleines?“ Auf unsicheren Beinen wankte er zu ihr und ließ sich neben sie fallen. Ruth lehnte sich an ihn. Wie selbstverständlich wischte sie ihr feuchtes Gesicht an seinem Pullover ab.

„Hey, lass das mal nicht zur Gewohnheit werden!“

Sanft umarmte er sie. Ruth seufzte. „Es ist gut, dass du zu ihnen gehörst.“

„Was?“

Sie richtete sich auf. „Du bist einer der Wächter, nur auf der anderen Seite der Spiegel“, entgegnete sie. Mit einer Hand zupfte sie an ihrem Rocksaum.

Eisiger Schrecken rann durch seine Adern. „Quatsch …“

Sie brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen. „Warum glaubst du, sammeln sich Geister in deiner Nähe?“

Er hob die Schultern. „Weil das ein verdammtes Haus ist?“

Vehement schüttelte sie den Kopf. „Du bist einer der Wächter. Die Grauen sind deine Gefährten.“

Er legte die Stirn in Falten. „Und woher weißt du das, Fräulein Naseweis?“

Mit gehobenen Brauen und dem Tonfall einer Erwachsenen entgegnete sie: „Weil dein Großvater – mein Vater – schon einer war.“

Oliver zuckte zusammen. „Niemals!“

Sie lachte humorlos auf, bevor sie sich erhob. „Er ist für die ruhelosen Seelen verantwortlich, Oliver.“ Ihre Stimme nahm einen beschwörenden Klang an. „Um an die ganzen Werke zu gelangen, opferte er hunderte Menschen. Ihr Leben ist an diesen Ort und an die wertvollen Bücher gebunden.“ Sie drehte sich im Kreis. Mit einer Hand strich sie über ihre Brust. „Er hat sogar meine Mutter und mich geopfert.“ Oliver erhob sich. Behutsam zog er den Kinderkörper an sich und streichelte ihren Kopf. „Es ist vorbei, Ruth. Dein Vater kann dir und deiner Welt nie mehr gefährlich werden.“

Blogger schenken Lesefreude 2014


Hallo ihr Lieben,

Jule hatte mich schon im vergangenen Jahr auf diese Aktion aufmerksam gemacht und gefragt, ob ich teilnehmen will. Im letzten Jahr wurde es zu knapp (nicht dass ich dieses Mal sonderlich viel schneller reagiert hätte …). Aber dieses Mal bin ich mit von der Partie und ihr könnt hier den ersten der Schattengrenzen-Romane gewinnen.

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Für den morgigen Welttag des Buches sollte ein Buch zum Gewinnen wirklich nicht zuviel sein 🙂 Bis zum 30.04., um 23:59 h (eine Minute vor der Geisterstunde ;)) habt ihr Zeit euch zu bewerben. Unter all den Teilnehmern verlose ich das Buch inclusive Lesezeichen und Illustration eines Charkaters. Hier findet ihr ein paar Illus zu den Schattengrenzen-Romanen. Einfach dem Link folgen und stöbern. Bei einigen der Beschreibungen sind Zeichnungen dabei und unter Illustrationen findet ihr unter meinem Namen eine größere Auswahl.

Hier der Klappentext:

Für die 19-jährige Camilla und ihre Freundin Theresa endet ein Museumsausflug mit einem Schock. Ein Mann stürzt sich vor ihren Füßen zu Tode. Seine Augen lösen sich in Staub auf, aus seiner Hand rollen blutige Augäpfel. Steht der Suizid in Zusammenhang mit einem wahnsinnigen Mörder, der sein Unwesen in Berlin treibt? Bereits mehrere junge Frauen sind ihm zum Opfer gefallen. Die verstümmelten Leichen verbindet ein grausiges Merkmal: herausgeschnittene Augen.

Obwohl sich Camilla und Theresa unter der Betreuung einer Psychotherapeutin und der Polizei in Sicherheit wähnen, nimmt der Serienkiller sie ins Visier. Von Panik getrieben gerät Camilla in die Unterwelt der Hauptstadt und stößt auf rätselhafte Menschen. Können der greise Amadeo oder der attraktive Chris sie vor ihrem fanatischen Verfolger retten? Mit dem Namen „Sandmann“ gibt Chris ihr einen entscheidenden Hinweis, doch der Killer ist nicht leicht zu überlisten. Um seinen Attacken zu entkommen, muss sich Camilla nicht nur ihrem Peiniger stellen. Sie entdeckt eine übersinnliche Fähigkeit, die vielleicht besser im Verborgenen geblieben wäre …

Glasseelen - Schattengrenzen I - Tanja Meurer/ Bookshouse

Glasseelen – Schattengrenzen I – Tanja Meurer/ Bookshouse

Hier auch noch mal die zugehörigen Lesezeichen:

Camilla

Camilla

Nathanael

Nathanael

Olympia

Olympia

Da es in der Geschichte stellenweise sehr unheimlich zugeht, müsst ihr mir beantworten, ob euch schon mal etwas entsprechendes passiert ist, was euch wirklich angst gemacht hat.

Liebe Grüße und viel Glück 🙂

Tanja

Die Arbeiten schreiten voran


Wie schon angekündigt, bin ich an den Lesezeichen zu „Der Rebell“. Die Arbeit mache ich mir nicht ausschließlich, um Neues zum neuen Buch zu haben. Klar auch, zugegeben, auch weil reichlich anderer Charaktere dabei sind. Oliver ist Protagonist, Camilla rückt in den Hintergrund. Die Geschichte, die ich erzähle, ist eine andere, kein Aufguss des ersten Buches. „Der Rebell“ ist auch in sich nicht abgeschlossen, sondern erst mit Band 3 beendet. Davon abgesehen findet ab dem 02.10.2013 über http://www.xtme.de/ eine Aktion zu „Schattengrenzen I und II“ statt.

„Glasseelen“ wohlbekannt als Band I, wir vom 02.10. an für 5 Tage zu 0,99 € erhältlich sein, während der zweite Band „Der Rebell“ als Printausgabe zu Gewinnen sein wird (ich stelle dafür 5 Exemplare). Wie üblich gibt es dazu die Zeichnung und Widmung in das Buch, aber darüberhinaus auch eines der Originallesezeichen zu gewinnen, bzw. Sonderdrucke der Lesezeichen.

Hier sind die neusten Stände:

Der Rebell - Lesezeichen

Der Rebell – Lesezeichen – Oliver, Daniel, Matthias und Christoph

Camilla Tusche

Camilla Tusche

Camilla ist leider bislang nur getuscht. Sie wird am aufwändigsten. Ihren Chris habe ich gestern erst angefangen. Damit habt ihr aber schon eine Vorstellung, wie die Lesezeichen werden sollen.

Übrigens findet zur Vorstellung des Buches auf LovelyBooks wieder eine Leserunde statt, zu der ihr euch ab dem 04.10. bewerben könnt. http://www.lovelybooks.de/thema/bookshouse-Sammelthread-f%C3%BCr-Gewinnspiele-und-Leserunden-1006084871/1057989851/

Zusätzlich gibt es zu beiden Romanen in Hann. Münden (das schöne Örtchen zwischen Kassel und Göttingen) im Rahmen der „Denkmal Kunst – Kunst Denkmal“-Tage eine Lesung. Am 03.10. ab 19:00 h lese ich in einem der alten Baudenkmäler in der Lohstraße 3: http://www.denkmalkunst-kunstdenkmal.de/ http://www.denkmalkunst-kunstdenkmal.de/pages/programm/do.-3.10.13/tanja-meurer.php. Wer in der Nähe wohnt, kann gern kommen und zuhören. Die Lesung beginnt um 19:00 und geht bis 20:30 h.

Am 06.10. ab 16:00 h lese ich aus beiden Büchern in der Blücherstraße 20, Wiesbaden (Back-Depot). Natalie, die Betreiberin sorgt für das leibliche Wohl.

Zu Ende des Monats – Halloween – lesen außer mir im Lesecafé Wiesbaden zu einer Sonderveranstaltung Ju Honisch, Christian Humberg, Sandra Baumgärtner und Diana Menschig. Das Datum: 26.10., die Uhrzeit: ab 15:00 h. Ihr solltet euch das Spektakel unbedingt anhören. Ju und Christian zu sehen, ist wirklich genial. http://www.vee-jas.de/Lesecafe/termine.html

Mehr Details in Kürze 🙂

Liebe Grüße, Tanja

Also, ihr seht, gerade eben bewegt sich wieder einiges.